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  • Zitat von Schamane
    Tucholsky hätte seine Freude daran gehabt.
    Oda wie seh'ck det?


    Wenna dit noch alehm dürfte!

    Jefalln dürfte ihm, dette die janzen alten Stücke von dit Berliner Kabarett wieda in dem Intanett finden tust, wo se jetze alle von reden, vor alle von meine hochvaehrte Claire Waldoff: http://www.youtube.com/results?search_qu...re+waldoff&aq=f.



    Kleena Nachtrach: Hier: http://www.bz-berlin.de/bz/multimedia/ar...-20_207600a.pdf kannste dit janze Blatt runtalahn.

  • Dem hat jetzt die B.Z. entsprochen (Tradition? Alle Berliner Zeitungen erschienen schon immer in Standarddeutsch!) und ihre heutige Papierausgabe auf Berlinisch gebracht:

    B.Z.: Heute kommt de janze B.Z. uff Berlinisch

    07. April 2010 21.35 Uhr

    Eine ganze B.Z.-Ausgabe in Berliner Mundart. Lesen Sie alles über die Sonderausgabe vom Donnerstag.

    Eene janze B.Z., die berlinat - das gab's noch nie! Die B.Z. hatte beim Institut Forsa eine Umfrage über die Berliner Mundart in Auftrag gegeben: Wer spricht sie überhaupt und wie kommt Berlinisch bei den Nicht-Berliner an?

    Die Ergebnisse adeln unseren Dialekt: 69 Prozent aller Deutschen lieben die Berliner Schnauze!

    Doch auch wenn jeder zweite Berliner noch berlinern kann, befindet "das Berlinische sich wie alle Dialekte auf dem Rückzug“, warnt der Sprachwissenschaftler Prof. Norbert Dittmar und schlägt vor: „Machen Sie doch mal eine ganze B.Z. auf Berlinisch.“

    Jesacht, jetan - alle Ressorts lieferten ihre Texte für die Donnerstags-Ausgabe (8.4.) im Berliner Dialekt ab, von der ersten bis zur letzten Seite. Eijentlich wat füa de Lauscha, wenjer wat füa die Oojen. Deswegen hat B.Z.-Chefreporter Oliver Ohmann exklusiv für die Online-Ausgabe der B.Z. einige Mundart-Texte eingelesen. Und ganz exklusiv trällert Berlins Charity-Lady Ulla Klingbeil ein Mundart-Lied für die Berliner Laubenpieper ...

  • Thema von AndyOSW im Forum Sprachpolitik

    B.Z.: Wie berlinert die Berliner Schnauze?

    05. April 2010 20.21 Uhr, Christiane Braunsdorf

    Sprach-Experte und Berlinisch-Forscher Prof. Norbert Dittmar erklärt, wie Berliner berlinern.

    Die Berliner Schnauze ist besser als ihr Ruf. Zwei Drittel der Deutschen und 70 Prozent der Berliner mögen den Dialekt. Doch wie entstand er überhaupt und was erzählt er über die Mentalität der Hauptstädter? B.Z. fragt Berlinisch-Forscher Professor Dr. Norbert Dittmar von der Freien Universität.

    Professor Dittmar, mögen Sie den Berliner Dialekt?

    Oh ja. Ich schätze die Kreativität des Berlinischen. Er spiegelt die Mentalität hier wieder.

    Wie heißt es richtig: Berlinerisch oder Berlinisch?

    In der Wissenschaft hat sich Berlinisch durchgesetzt. Sie sagen auch nicht Hamburgerisch, sondern Hamburgisch. Die Berliner selbst haben natürlich ihre eigene Interpretation, da ist Berlinerisch auch weit verbreitet.

    Wie entstand das Berlinische?

    Sprach- und Stadtgeschichte gehen hier eng zusammen. Im 14. Jahrhundert trat Berlin der Hanse bei, deren Sprache war „Niederdeutsch“. In Berlin wurde vermutlich eine Art niederdeutsches Platt gesprochen. Als Kurfürst Friedrich I. Berlin 1415 zu seiner Residenzstadt machte, endete die Hanse-Zugehörigkeit. Die Handelsbeziehungen orientierten sich nach Ostmitteldeutschland (Dresden, Leipzig, Meißen). Das Ostmitteldeutsch überschichtete das Niederdeutsch. Daraus entstand das heute noch geläufige Berlinisch. Die Stadt wuchs, die höfische und gehobene Gesellschaft orientierte sich am Französischen. So wurde das Berlinische zur Sprache des einfachen Volkes, bekam im Laufe des 19. Jahrhunderts sogar den Ruf einer „Vulgärsprache“.

    Was erzählt das Berlinische über die Berliner?

    Sie sind reaktionsschnell, draufgängerisch, schlagfertig. Sie übervorteilen gern andere – ohne, dass der Provinzler das sofort merken würde. Sie sind sehr direkt, für Neuberliner wirken sie manchmal sogar rau und grob. Höflichkeit liegt ihnen nicht sonderlich. Aber sie sind auch liebenswürdig und herzlich, da schlägt die berühmte Kombination Herz und Schnauze durch.

    Was sind die typischen Merkmale des Dialekts?

    Hier würde ich sechs Regeln nennen:

    ►Klassisch ist die „r-Vokalisierung“: Der Berliner sagt „Vata“, „Mutta“ oder „aledigt“ und ersetzt damit die Silbe „-er“ konsequent durch „a“.

    ►Aus dem harten Reibelaut „g“ wird das weich artikulierte „j“ wie in „jut“, „verlejen“ etc.

    ►Aus „ich“ wird „ick“.

    ►Auch Vokaldoppelungen sind typisch fürs Berlinische – etwa in „Kleene“, „Beene“ usw.

    ►Vokale werden gern gerundet, aus Tisch wird „Tüsch“, aus glauben „globen“. Zur Aussprache braucht man gerundete Lippen, daher der Begriff gerundet artikulierte Vokale.

    ►Und natürlich die Hebung des Vokals „a“ zu „i“ im Wort „das“: Aus „dat“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zunächst „det“, heute „dit“.

    Warum hat sich das Berlinische verändert?

    Die Teilung der Stadt brachte deutliche Unterschiede in der Ausprägung des Dialekts mit sich. Im Osten, der durch die Mauer abgeschnitten war, erhielt sich das ursprüngliche Berlinisch wie unter einer Käseglocke. Heute treffen Ost- wie Westberliner die Auswirkungen der Globalisierung. Dialekte sind auf dem Rückzug, das trifft auch das Berlinische.

    Die Viertel, in denen der Dialekt kultiviert wurde, etwa in den Arbeiterkiezen Friedrichshain oder Prenzlauer Berg, sind heute sanierte gehobene- oder Szeneviertel. Durch den Zuzug verliert sich das Berlinische. In anderen Vierteln ist der Zuzug von Migranten sehr hoch, auch das verändert die Sprache.

    Was könnte getan werden, um das Berlinische zu bewahren?

    Es müsste im Stadtbild wieder mehr präsent sein, warum nicht mal alles auf Berlinisch lesen? Die B.Z. könnte doch hier mal Vorbild sein – wo sie schon die meist gelesene und größte Berliner Zeitung ist. Knüpfen Sie doch mal an die alten Traditionen an und servieren uns mal eine komplette Ausgabe auf Berlinisch!

  • Zitat von Schamane
    Laßt mich einmal raten - Computerübersetzung?


    Es wird wohl überall gespart. Irgendwann ist es die Gebrauchsanweisung für ein Kernkraftwerk...

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    BILDblog: Wider die wirren Währungswürdigungen!

    "Wir widersetzen uns allen Ländern, die sich an gegenseitigen Schuldzuweisungen beteiligen oder starke Maßnahmen ergreifen, andere dazu zu zwingen, ihre Währung zu würdigen."

    Das soll der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao laut "Hamburger Abendblatt" und "Spiegel Online" gesagt haben.

    Man muss kein Experte in Finanzpolitik sein, um zu merken, dass dieser Satz sprachlich schlampig und inhaltlich großer Unsinn ist. Doch wirr ist in diesem Fall nicht Wen Jiabao, sondern lediglich die unqualifizierte Übersetzung des Deutschen Auslands-Depeschendienstes (DAPD). In der englischen Version liest sich Wens Aussage deutlich weniger wirr, da sagt der chinesische Ministerpräsident nämlich lediglich:

    “We oppose countries pointing fingers at each other and even forcing a country to appreciate its currency.”
    (“Wir lehnen es ab, dass Staaten sich gegenseitig die Schuld geben und sogar einen Staat zwingen, seine Währung aufzuwerten.”)


    So bleiben schon deutlich weniger Fragen — außer vielleicht, warum "Spiegel Online" und das "Hamburger Abendblatt" so einen offensichtlichen Unfug weiterverbreiten.

    Nachtrag/Korrektur, 17.08 Uhr: "Spiegel Online" hat den Fehler mittlerweile korrigiert, dabei allerdings einen Fehler von BILDblog übernommen. Denn natürlich muss es in der deutschen Übersetzung "und" heißen wo im Englischen "and" steht, nicht "oder". Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen, haben ihn nun korrigiert und bedanken uns bei den zahlreichen Hinweisgebern.

    Daniel Erk am 23.3.10 um 11:32

  • Thilo Sarrazin: Kein Deutsch, kein GeldDatum10.03.2010 16:25
    Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    B.Z. Online vom 10. März 2010:

    Thilo Sarrazin bleibt bei seiner Migranten-Schelte. Integration sei eine Bringschuld und wer die deutsche Sprache nicht lernen wolle, müsse das finanziell zu spüren bekommen, forderte der frühere Berliner Finanzsenator und jetzige Bundesbank-Vorstand am Dienstag in Wiesbaden. Bei einem Gesprächsabend im hessischen Justizministerium verteidigte Sarrazin damit die kontroversen Äußerungen in Interviews, wegen denen ihm ein Ausschluss aus der SPD droht.

    „Über den Tonfall kann man reden, aber die Fakten waren richtig“, sagte er. Die unerwartet große Wirkung seiner Worte zeige, dass das Thema die Bürger bewege. Im Gespräch mit dem hessischen Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und dem deutsch-türkischen Medienunternehmer Kenan Kubilay räumte Sarrazin zwar ein, dass Ausländer immer „bergauf kämpfen“. Trotzdem dürfe es nicht sein, dass eine große Gruppe von Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sei, nicht einmal die Bereitschaft zeige, die Sprache richtig zu lernen. „Integration ist zu 80 Prozent eine Bringschuld und keine Holschuld.“

    Keine Hausaufgaben, weniger Kindergeld

    Für eine bessere Integration forderte Sarrazin daher ein Umdenken bei der Bildungspolitik. Es müsse gewährleistet sein, dass jedes Kind gerade in den ersten Schuljahren auch wirklich mitkomme aber nicht über einen weiteren Ausbau der Sozialarbeit. „Noch mehr Lehrer und noch mehr Förderung, das funktioniert nicht.“ Nötig seien vernünftige Lehrpläne und eine konsequente Qualitätskontrolle. „Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden, dann wird eben das Kindergeld um 50 Prozent gekürzt“, sagte Sarrazin.

    Im Vorfeld der Veranstaltung demonstrierten einige Dutzend Mitglieder vom „Wiesbadener Bündnis gegen Rechts“ gegen die als rassistisch empfundenen Äußerungen des früheren Berliner Finanzsenators. Auch während der Gesprächsrunde wurde aus Protest ein Banner entrollt.

    Sarrazin hatte sich in Interviews wiederholt abfällig über Migranten geäußert und Hartz-IV-Empfängern bei Geldknappheit empfohlen, warme Pullover anzuziehen statt zu heizen. Der Kreisverband Berlin-Spandau hatte neben anderen Parteigliederungen daraufhin seinen Parteiausschluss gefordert. Die Entscheidung über einen Ausschluss wird in spätestens drei Wochen erwartet.

    Sprüche des Ex-Finanzsenators und jetzigem Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (Auswahl):

    Sarrazin über den Mindeslohn (2008): "Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen. Das wären 40 Euro pro Tag“.
    Juni 2008: "Dumm, dümmer, PDS." – Sarrazin beleidigt den Berliner Koalitionspartner in der N24-Sendung "Klartext".
    April 2008: "Lustige Nummer!" - Sarrazin bei "Anne Will" zu den SPD-Plänen die Höhe von Manager-Abfindungen zu deckeln.
    Februar 2008: "Wenn man sich das anschaut, ist das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern das Untergewicht."
    Oktober 2007: "Wer als Hartz-IV-Empfänger genug Kraft für ein Ehrenamt findet, der sollte dann die Kraft darin legen, Arbeit zu finden."
    August 2006: "Der Schutt ist abgeräumt. Wir leben hier nicht mehr im Jahre 1945, sondern wir leben im Jahre 1947."
    November 2003: "Ihr seid alle Arschlöcher." – Sarrazin zu Studenten, die sein Büro besetzt hatten.
    November 2002 (Debatte über Kita-Gebühren): "Es wird ja so getan, als ob der Senat die Kinder ins Konzentrationslager schicken wollte."
    Februar 2002 über den Berliner Etat: "Der Haushalt ist objektiv verfassungsfeindlich."

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Berliner Morgenpost: Mit ihr starb die Bo-Sprache – so klang sie

    Freitag, 5. Februar 2010 21:02 - Von Sophie Mühlmann

    Die Letzte ihrer Art: Auf der indischen Inselkette der Andamanen starb mit einer 85-jährigen Ureinwohnerin auch endgültig die Sprache der Bo – eine der ältesten Sprachen der Erde. Die alte Frau war einsam. Niemand sprach mehr ihre Sprache. Ihre Stimme sei "hypnotisch" gewesen, sagen Sprachforscher.

    „Die Erde bebt“, sang Boa Sr, „wenn die Bäume mit dumpfem Schlag umstürzen“. Ein uraltes Lied des Bo-Volkes, das niemand außer ihr verstand. Nun ist die letzte Überlebenden der Bo auf der indischen Inselkette der Andamanen gestorben – und damit eine der ältesten Sprachen der Erde.

    Sprachwissenschaftler haben Boas Gesang im Dschungel aufgezeichnet. Ihre Stimme sei „hypnotisch“ gewesen, „tief bewegend“. Ihre Sprache, die Aka-Bo, gibt es von jetzt an nur noch auf diesen Aufnahmen. Eine Tragödie, meinen die Linguisten. Die Bo waren einer von zehn Unterstämmen des Großen-Andamaner-Stammes. Dessen präneolithische Vorfahren haben das Archipel, das 1200 Kilometer vor der indischen Ostküste im Bay von Bengalen liegt, vor über 65.000 Jahren besiedelt. Genetische Studien gehen davon aus, dass sie ursprünglich aus Afrika nach Asien kamen. Sie gelten als eine der ältesten überlebenden Kulturen der Welt.

    Boa Sr wurde um die 85 Jahre alt, ihr genaues Alter weiß keiner so genau, sie hat es nirgends verbrieft und die Verständigung mit ihr war schwierig. Anvita Abbi, eine Linguistin von der Jawaharlal Nehru Universität in Delhi, hat sie mehrfach im Dschungel besucht und unterhielt sich mühsam mit ihr in einem besonderen Hindi-Dialekt, den die Ureinwohner auf den Andamanen sprechen. Von diesen war Boa Sr die älteste Überlebende, denn von allen Mitgliedern der zehn Stämme sind nur noch ganze 52 Menschen übrig geblieben – die neun verschiedene Sprachen sprechen.

    Boa Srs Mann ist schon vor einigen Jahren gestorben, das Paar hatte keine Kinder. Auch der König des Bo-Stammes ist seit 2005 tot. Boa Sr selbst wurde zuletzt langsam blind. „Sie hatte niemanden mehr“, erzählt Abbi, „Sie fühlte sich isoliert und allein. Deshalb war sie so traurig“.

    Die Letzte ihrer Art war im Dschungel der nördlichen Andamanen zur Welt gekommen. Sie wuchs in der traditionellen Stammesgesellschaft auf, lernte, im Wald nach wilden Kartoffeln zu suchen und Wildschweine, Schildkröten und Fische zu fangen. Mitte der 70er Jahre siedelte die indische Regierung alle zehn Stämme der Großandamaner auf eine einzige Insel in der Nähe von Port Blair um. Boa Sr musste fortan in einer Betonhütte mit Blechdach leben. Der Staat lieferte magere Essenrationen und eine monatliche Pension von umgerechnet knapp acht Euro. „Sie hat immer gesagt, sie wollte an ihren Geburtsort zurückkehren“, erzählt Anvita Abbi, „zurück zu ihren Wurzeln“.

    Die Inselkette der Andamanen und Nikobaren sind zwar ein wichtiger Außenstützpunkt der indischen Marine, ansonsten aber ist das Archipel völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Ausländer dürfen nur mit einer Sondergenehmigung dorthin. Die Ureinwohner sind beinahe vollständig ausgerottet. Als die Briten die Inseln 1858 kolonisierten und in berüchtigte Strafkolonien verwandelten, gab es noch rund 5000 Großandamaner. Doch die Siedler brachten ihre Krankheiten mit, und sie brachten den Alkohol. Der hat den Stämmen schlimmer zugesetzt, als es jeder noch so hartnäckige Virus hätte anrichten können. Ein Großteil der Ureinwohner soff sich buchstäblich zu Tode.

    Andere starben bei dem Versuch der Briten, sie zu „zivilisieren“. Die Kolonialherren zwangen viele der Stammesmitglieder in ein sogenanntes „Andaman Heim“. „Survival International“ eine Nicht-Regierungs-Organisation, die sich für die Rechte von Ureinwohnern einsetzt, hat erschreckende Statistiken aus diesem Heim veröffentlicht: Von den 150 Kindern, die dort geboren wurden, wurde keines älter als zwei Jahre.

    Boa Sr wusste, dass der Untergang ihres Volkes von außen eingeläutet wurde. Anvita Abbi erinnert sich an ihre Worte: der benachbarte Stamm der Jarawa habe Glück gehabt, soll Boa immer wieder gesagt haben, er habe tief im Wald gelebt, weit weg von den Siedlern. Die Jarawa sind bis heute relativ zahlreich. Allerdings sind sie laut Survival International neuerdings ebenfalls gefährdet: Indiens Regierung hat eine Straße gebaut, die ihre Insel mit anderen Insel verbindet und Siedler, Wilderer und Alkohol bringt.

    Der Stamm, der bisher am besten davongekommen ist, sind die Sentinelesen. Sie haben jeglichen Kontakt zur Außenwelt komplett verweigert. Berühmt wurden sie, als ihre Krieger nach dem fatalen Tsunami am Zweiten Weihnachtstag 2004 indische Hilfshubschrauber mit Pfeil und Bogen beschossen. Die Bilder gingen damals um die Welt.

    Boa Sr hat die japanische Besatzung ihrer Heimat überlebt, die Seuchen, den Alkohol und sogar den Tsunami. Sie war damals noch so fit, dass sie auf einen Baum geklettert sein soll, um der Todeswelle zu entkommen. Ihr Tod hat nun die Linguisten und Ethnologen wachgerüttelt. Die letzten Ureinwohner müssen geschützt werden, erklärt Stephen Corry, der Chef von Survival International. Die Regierung in Delhi dürfe die Jawara und die anderen überlebenden Stämme nicht mehr umsiedeln, müsse ihnen erlauben, ihr traditionelles Leben zu führen. „Mit dem Tod von Boa Sr und der Sprache der Bo ist ein einmaliger Teil der menschlichen Gesellschaft nun nur noch eine Erinnerung“, erklärt Corry, „dieser Verlust ist eine bittere Mahnung an uns alle: wir dürfen nicht zulassen, dass die anderen Stämme der Andamanen dasselbe Schicksal erleiden."

  • Telepolis: Ih!Datum04.02.2010 16:44
    Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Telepolis: Ih!

    Marcus Hammerschmitt 03.02.2010

    Zur Karriere eines missbrauchten Buchstabens

    Political Correctness ist, wie alle Arten von Linientreue, ein ermüdendes Thema, und wer sich damit beschäftigt, wird auch durch die Lachhaftigkeit nicht entschädigt, die freiwillige subkulturelle Linientreue auszeichnet. Aber was will man machen, die Wirklichkeit ermüdet immer. Einige Anmerkungen zum Nachleben eines dummen Brauchs.

    Die Geschichte des Binnen-Is ist kurz, und daher schnell erzählt. 1981 kam der Autor Christoph Busch auf die Idee (1) in einem Buch über freie Radios die Frauenbefreiung orthographisch nach vorne zu bringen, indem er statt von Zuhörern und Zuhörerinnen von ZuhörerInnen schrieb.

    Das gefiel anderen orhographischen FrauenbefreierInnen so gut, dass sie es in ihre Rechtschreib- und Benimmregeln aufnahmen, die taz war schnell dabei (2); an den Universitäten feierte die Genderforschung Sieg um Sieg, und kein autonomes Flugblatt verweigerte sich der Rechtschreibreform von unten. Nun bin ich ganz sicher nicht der Meinung, dass der öffentliche Diskurs zu viele linke Ideen aufgreift und weiterentwickelt, ganz im Gegenteil. Aber die vom Binnen-I hätte man links liegen lassen können. Zwei Gründe.

    Erstens macht sie Texte hässlich. Es geht dabei gar nicht so sehr um die lächerlichen Exzesse wie das Geschwätz von "StühlInnen", mit dem irgendwelche Übereifrigen in den Achtzigern das Publikum quälten. Der stete Zwang zur orthographischen Gegendiskriminierung bringt per se etwas Verkrampftes und Rechthaberisches in den Text ein und wirkt als einst emanzipativ gemeinter Regelbruch heute genau gegenteilig: Er ist zu Benimm geworden, den man in einem bestimmten, zum Glück immer kleiner werdenden Milieu einfach zu haben hat, so bescheuert die Konsequenzen auch sein mögen.

    Ich weigere mich zu glauben, dass die Befreiung der Frau mit dem Zwang zur Hässlichkeit einhergehen kann, und deswegen halte ich das dumme I auch nicht für geeignet, die Befreiung der Frau zu befördern. Es ist absolut kein Wunder, dass im Zuge der I-diotisierung des Geschlechterdiskurses die KrampfhähnInnen von der veganen Front das hässlichste Wort der deutschen Sprache hervorgebracht haben: "AntispeziesistInnen" (3) - ein Folterinstrument, exakt dafür gemacht, alle zu quälen, die ein Mindestmaß an Sinn für sprachliche Ästhetik mitbringen.

    Der merk- und humorbefreite Tugendterror der TierrechtlerInnen findet in diesem Monstrum seinen ureigenen Ausdruck. Es ist nicht einfach, einen Neologismus zu kreieren, an dem alles falsch ist: Gedanke (4), Ausdruck und Orthographie, aber hier ist es mit Bravour gelungen.

    Der zweite Grund, aus dem man das Verschwinden des Binnen-I nur unterstützen kann: Wie alle anderen Formen von Politial Correctness handelt es sich bei der orthographischen um eine Ersatzstrategie, die mangelnde Erfolge in der Hauptsache durch Stellvertreterkriege auf Nebenschauplätzen kaschieren will. Ja, gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse schlagen sich in der Sprache nieder. Ja, dies sollte bemerkt und analysiert werden. Aber es hat noch nie geholfen, das eigentliche Problem lösen zu wollen, indem man es anders benennt, garniert, umdrapiert, neu verpackt (siehe auch: Neusprech für Hartz IV (5) und Die deutsche Tradition der manipulativen Wortsch�pfung (6)).

    Wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden sollen, indem bloß anders über sie gesprochen wird, dann bleiben sie, wie sie sind. Schwarzafrikaner in Deutschland haben nun wirklich nichts davon, wenn die Weißen "Mitbürger mit subsaharischem Migrationshintergrund" sagen, dabei aber "Nigger" denken und fühlen. Für "jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen" gilt mutatis mutandis das Gleiche. Ob die TierrechtlerInnen nun noch Millionen TiermenschInnen aus LegebatterieInnen befreien oder nicht - wenn der globalisierte Agrarkapitalismus bleibt, werden Nutztiere weiter unnötig leiden.

    Oliver Tolmein, den ich ansonsten sehr schätze, meinte vor Jahren im fortgesetzten Gebrauch des Binnen-Is einen Ausdruck erfreulichen Eigensinns (7) erkennen zu können.

    Ganz im Gegenteil ist heute das Binnen-I Ausweis nur noch einer geistigen Selbstuniformierung, die hoffentlich weiterhin auf Sektierer und Spinner beschränkt bleibt. In diesem Sinne wünsche ich mir und allen Lesern und Leserinnen eine Zukunft ohne Binnen-I.

    Links

    (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Binnen-I#Ge...che_Entwicklung
    (2) http://www.verdi.de/mmm/archiv/2003/03/p...killte_binnen-i
    (3) http://projekte.free.de/hah/cms/
    (4) http://www.graswurzel.net/344/tierrechte.shtml
    (5) http://www.heise.de/tp/blogs/6/147003
    (6) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32010/1.html
    (7) http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2004/09/11/a0324

    Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32019/1.html

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  • Im Dezember hielt er eine Rede in Berlin. Oettinger (56), bekannt für seinen schwäbischen Akzent, las alles vom Blatt ab – doch sein Englisch war ein wenig schwach...

    Selbst bei einfachen Wörtern kam er ins Stocken.

    Und dabei wird Oettinger in der EU-Kommission der neue Energie-Kommissar – und sagt selbst, Englisch sei die Weltsprache und absolut unverzichtbar!

    Da heißt es wohl: Noch ein bisschen pauken und an der Aussprache arbeiten...

    An Selbstbewusstsein fehlt es dem zukünftigen Kommissar nicht: Oettinger hatte mehrfach behauptet, sein Englisch sei gut. Zum Beispiel auf dem Bewerbungsbogen, den er für die Anhörung vor dem Europaparlament ausfüllen musste.

    Und in einem Zeitungsinterview sagt er: „Ich bin in Englisch, was das Gespräch angeht, sehr sicher.“ (Quellen: Text - Bild.de, Video - YouTube.com)

  • Unwort 2009Datum20.01.2010 16:01
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Unwort 2009

    Zitat von Fritz-Franz
    … unsere tägliche Aufregung gib uns heute und führe uns nicht zur Verzweiflung. Amen.


    Habe mir die Diskussion aus obigem Betrag angesehen - was ist denen denn über die Leber gelaufen?

    "Betriebsratsverseucht" finde ich eine gute Wahl für das allfällige Unwort, weil beim Unwort ja das zählt, was damit ausgedrückt werden soll. Das mit den "intelligenten Wirksystemen" versteht kein normal gebildeter Mensch, erst eine Erklärung vom Fachmann macht die Ungeheuerlichkeit sicht- und hörbar.

  • Unwort 2009Datum16.01.2010 11:06
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Unwort 2009

    Berliner Morgenpost: Unwort des Jahres - Warum auch ein Wort der Kanzlerin Chancen hat

    Samstag, 16. Januar 2010 10:52

    An diesem Wochenende fällt die Entscheidung über das "Unwort des Jahres". Der Chef der populären sprachkritischen Aktion, Prof. Horst-Dieter Schlosser, begründet, warum auch einer sprachlichen Entgleisung der Kanzlerin die zweifelhafte Ehre zuteil werden könnte.

    Bei der Wahl des „Unworts des Jahres“ hat auch der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) benutzte Begriff „Flüchtlingsbekämpfung“ gute Chancen. Bei einem Vortrag bei der Bertelsmann-Stiftung habe Merkel davon gesprochen, dass auch Deutschland seinen Beitrag zur „Flüchtlingsbekämpfung“ leiste, erinnerte sich der Sprecher der sprachkritischen Aktion, Prof. Horst-Dieter Schlosser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
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    Merkels Begriff gehört zu den 982 verschiedenen Vorschlägen für das Unwort des Jahres 2009. Unter einem Unwort verstehen die Initiatoren sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Im vergangenen Jahr hieß das Unwort „notleidende Banken“.

    Bei „Flüchtlingsbekämpfung“ stelle sich unter anderem die Frage, inwieweit die militärischen Aktionen im Mittelmeer damit gemeint seien. Der Begriff „betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“ gehört zu Schlossers persönlichen Favoriten.

    Damit werde „die Wahrnehmung von Arbeitnehmer-Interessen als Seuche und überhaupt als Krankheit“ verstanden, kritisierte er. Chancen habe auch der Begriff „Intelligente Wirksysteme“, mit dem eine Waffenfabrik ihre Munition bezeichnet habe. „Zielgerichtetes Verkranken“ aus dem Jargon der Krankenkassen sei ebenfalls unwortverdächtig. Dahinter stehe: „Je kränker der Patient, umso besser für die Krankenhäuser.“

    2018 Vorschläge für das Unwort des Jahres gingen insgesamt ein, etwa so viele wie im Vorjahr. Am häufigsten – nämlich 183 Mal – sei dabei das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ genannt worden. Damit sei aber mehr Sach- als Sprachkritik verbunden, sagte Schlosser.

    Der Bundestagswahlkampf, die Regierungsbildung und die Finanzkrise hätten die Bürger am stärksten zu Vorschlägen angeregt, sagte Schlosser. Als Beispiele nannte er „Bad Bank“, „Bonuszahlungen“, „Abwrack-“ und „Umweltprämie“, „Schattenhaushalt“ und „Sondervermögen“.

    Unter den häufigsten Einsendungen finde sich auch „systemrelevant“ als Bezeichnung für einige Wirtschaftszweige, „weil da Milliarden Euro für bestimmte Unternehmen locker gemacht werden und die anderen sehen müssen, wo sie bleiben“, erläuterte Schlosser.Das Unwort wird zum 19. Mal gesucht. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, spielt dabei keine Rolle.

    Die Jury besteht aus vier festen Mitgliedern, allesamt Wissenschaftler, und ein bis zwei wechselnden Mitgliedern der Sprachpraxis. Das sind diesmal Stephan Hebel von der „Frankfurter Rundschau“ und der Sozialethiker Prof. Friedhelm Hengsbach (Ludwigshafen). Neben Schlosser geben seit einigen Jahren die Wissenschaftler Prof. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Nina Janich (Darmstadt) und Prof. Martin Wengeler (Düsseldorf) ihr Votum ab. Am Dienstag wird die Entscheidung der Jury bekanntgegeben.

    dpa/omi

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Berliner Kurier: "Ohrfeige für Bürokratendeutsch"

    Mittwoch, 23. Dezember 2009

    Dieses Urteil freut alle, die sich schon einmal über ei-
    nen unverständlichen Behördenbescheid geärgert
    haben. Und offensichtlich sind auch schon manche
    Richter über im Bürokratendeutsch abgefasste Be-
    hördenbriefe schlicht verzweifelt. Das Verwal-
    tungsgericht Göttingen entschied nämlich:
    Stürzt sich ein Bürger in unnötige Kosten, nur, weil
    er einen kaum verständlichen Behördenbrief falsch
    verstanden hat, dann muss das Amt die Kosten voll er-
    statten (Az. 1 B 346/09).

    Der Fall: Ein Mann hatte Post von der Polizei be-
    kommen, glaubte, er wäre zu einer "sofortigen Voll-
    ziehung vorgeladen". Das war ihm natürlich nicht
    geheuer, und mit einem Eilantrag bei Gericht woll-
    er sich dagegen wehren. Zwar merkte er noch
    rechtzeitig, dass er das alles falsch verstanden hat-
    te, zog die Klage zurück, doch die ersten Gerichts-
    kosten waren da schgon aufgelaufen.

    Die muss nun, so die Richter, der wahre Verur-
    sacher bezahlen: die Polizeibehörde.
    ---
    Ist der wahre Verursacher der Kosten nicht die grenzenlose Dummheit des Klägers? Und in welchem Deutsch haben eigentlich die Richter ihr Urteil abgefasst? Mich würden schon die Wortlaute des ominösen Behördenbriefs und des Gerichtsurteils interessieren...

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Berliner Morgenpost: "Nur noch echte deutsche Filme bekommen Lolas"

    Donnerstag, 31. Dezember 2009 12:36 - Von Katharina Dockhorn

    Die Regeln wurden nochmal verschärft: Wer künftig für den Deutschen Filmpreis nominiert werden will, muss harte Kriterien erfüllen. Ausgeschlossen werden damit diesmal unter anderem Tom Tykwers "The International", David Kross ("Der Vorleser") und der mutmaßliche Oscar-Kandidat Christoph Waltz.

    Der deutsche Film boomt. Auf über 25 Prozent stieg der Marktanteil der Filme made in Germany. Doch ausgerechnet bei den Auszeichnungen mit den Lolas wird auch 2010 ein Großteil jener Titel fehlen, die für klingende Kassen sorgen. Was zum einen der Geringschätzung - nicht nur deutscher Entscheider - des Lachens geschuldet ist. Komödien haben es bei ihnen schwer, egal ob bei Oscar, Cesar oder Lola.

    Das Publikum wollte in diesem Jahr im dunklen Kino jedoch vor allem seine Sorgen vergessen. Es schlämmerte mit Hape Kerkeling (), ging auf die Suche nach herzzerreißenden Jungfrauen mit den anderthalb Rittern von Til Schweiger (), setzte auf Comedian Mario Barth oder wollte lustige Abenteuer mit Wickies starken Männern () erleben - bis auf Letzteren wohl keine Titel mit ernsthaften Lola-Aussichten. Schweiger hat seinen Film nach den Querelen der vergangenen Jahre überhaupt nicht angemeldet.

    Überhaupt, die Lola-Anmeldungen: Wieder einmal wird um Koproduktionen gestritten, für die die Akademie ihre eigene Bewertungsmaßstäbe gefunden hat. Die schließen einen Teil der Filme aus, die an der Kinokasse als deutsch gelten und abräumen. Dort reicht, dass einheimische Produzenten 20 Prozent des Budgets aufgebracht haben, womit der Golden-Globe-Gewinner "Waltz with Bashir" (), "Operation Walküre" ( ) oder Lars von Triers "Antichrist" () für die Statistik als "deutsch" gelten.

    Damit solche Titel bei der Filmpreis-Gala sicher draußen bleiben müssen, hat die Filmakademie ihre Regularien im Herbst nochmals verschärft. Bislang galt: Regisseur oder Produzent müssen Deutscher, und es muss in deutscher Sprache gedreht worden sein; wenn zwei dieser drei Kriterien erfüllt waren, konnte der Film eingereicht werden.

    Zum Präzedenzfall wurde Paul Verhoevens "Black Book". Ein holländischer Regisseur und der Berliner Jens Meurer als Produzent standen hinter dem Drama um den holländischen Widerstand gegen Hitler, das in beiden Sprachen gedreht wurde. Carice van Houten wurde für die Lola nominiert. Heute hätte sie keine Chance mehr.

    Nach den neuen Richtlinien müssen drei Kriterien erfüllt sein. Der Regisseur muss Deutscher sein oder es muss in Deutsch gedreht worden sein. Dazu muss der Produzent einen deutschen Pass haben, und kein Partner aus dem Ausland darf finanziell mehr zu dem Entstehen des Films beigetragen haben als die deutsche Firma.

    Dieses Regelwerk ist maßgeschneidert für europäische Koproduktionen deutscher Regisseure wie Hans-Christian Schmids "Sturm", Sherry Hormans "Wüstenblume", Sönke Wortmanns "Päpstin" (), Detlev Bucks "Same same but different" oder Michael Hanekes "Das weiße Band".

    Tom Tykwers "The International" () ist dagegen ein Opfer der neuen Regel. Er wäre im Vorjahr noch qualifiziert gewesen, in diesem Jahr ist er raus. Ebenso wie seine Regiekollegen aus aller Welt, die in den vergangenen Monaten zwischen Nordsee und Görlitz drehten. Weder Polanski noch Stephen Frears oder Bryan Singer - keiner hat in Deutsch gedreht.

    Auch nicht Michael Hoffman, für dessen hochgelobte Tolstoi-Liebesgeschichte "Ein russischer Sommer" Helen Mirren beim Filmfestival von Rom als beste Darstellerin geehrt wurde. Produzent Jens Meurer hat das Werk bei der Filmakademie eingereicht. Schließlich hat seine in Halle beheimatete Firma das Projekt entwickelt, den Film komplett in Deutschland hergestellt und 90 Prozent des Budgets gestemmt.

    "Die Filmakademie vergibt nicht ihre privaten Einkünfte, sondern Steuermittel. Wie kann dann eine private Institution beschließen, nach Gutdünken Filme mit deutschem Ursprungszeugnis einfach nicht zuzulassen?" fragt sich nicht nur Meurer. Es gehe der Akademie wohl eher darum, die mit den Lolas verbundenen Preisgelder von drei Millionen Euro im engeren Kreis zu verteilen.

    Der Produzent denkt an die deutschen Mitarbeiter, die um ihre Nominierungschance gebracht werden. Allen voran Sebastian Edschmid, der für "Ein russischer Sommer" oder "Ein Leben für ein Leben" hinter der Kamera stand. Auch Joachim Król hat keine Chance, für seine fulminante Leistung als Holocaust-Überlebender in Paul Schraders Drama eine Nominierung zu erhalten.

    Produzent Werner Wirsing, der nicht nur der kreative Kopf hinter dem Drama war, sondern auch drei Millionen aus seiner eigenen Tasche in das Budget steckte, ist empört über den möglichen Ausschluss seines Dramas über die Folgen des Holocaust.

    Auch David Kross, für den Europäischen Filmpreis in "Der Vorleser" () nominiert, müsste nach den Regeln der Filmakademie draußen bleiben. Christoph Fisser und Carl Woebcken vom Studio Babelsberg haben die Bestseller-Verfilmung trotzdem für die Lolas angemeldet.

    "Überall auf der Welt wird sie als deutscher Film gefeiert, auch beim Europäischen Filmpreis ist sie so eingestuft worden. Es wäre schade, wenn das Drama sich ausgerechnet hier, wo es gedreht worden ist, nicht für die Filmpreise qualifizieren könnte", sagt Fisser, der auch darauf verweist, dass das Studio seine Preisgelder stets in deutsche Filme investiert habe.

    Für den Zuschauer ist das Gerangel kaum noch zu durchschauen. Er fragt sich nur, warum ein Film mal deutsch, mal nicht deutsch ist. Und warum es John Goodman und David Wenham in der "Päpstin" ebenso wie Schauspielerinnen aus Thailand oder Äthiopien auf die Nominierungsliste bringen, Christoph Waltz in "Inglorious Basterds" () aber nicht. Für ihn wetten die Babelsberger auf eine Oscar-Nominierung.

  • Frohes Weihnachtsfest!Datum24.12.2009 12:14
    Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Allen aktiven und passiven Teilnehmern des Deutschen Sprachforums wünsche ich - wie immer unabhängig von Weltanschauung und Konfession - ein fröhliches und/oder besinnliches Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Jahr 2010!

    Andy aus OSW

  • ZEIT Online: Hier wird Ihnen getestetDatum14.12.2009 23:00

    Zitat von Schamane
    Andy zeigt uns, wo's langeht.

    Und das ohne jegliche diesbezügliche Qualifikation! Was soll dabei 'rauskommen?

  • ZEIT Online: Hier wird Ihnen getestetDatum13.12.2009 15:56
    Thema von AndyOSW im Forum Aktivitäten zur Sprach...

    Die ZEIT Online erfreut uns mit einem Sprach-Quiz.

    Mein Endstand: 7 von 11 Antworten richtig.

  • "Gutmenschen"Datum09.12.2009 17:45
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema "Gutmenschen"

    Zitat von Rechter Europäer
    Mit Gutmenschen sind Personen gemeint, die immer nur das scheinbar Gute von der Politik und allen Anderen fordern. Sie sind Linke, im Sinne von Internationalisten welche die Gleichheit aller Menschen fordern und glauben ihre Werte und Ziele wären allgemeingültig. Oft sind die Forderungen dumm und nicht zielführend, beispielsweise die Bekämpfung von Hunger und Krankheiten in der Dritten Welt, ohne Bevölkerungspolitik durchzusetzen. Gutmenschen sehen auch nicht ein, dass andere Menschen von der Politik erwarten das sie ihre Interessen auch auf Kosten Dritter vertritt. Ein gutes Beispiel ist auch der Irrsinn von der "Klimagerechtigkeit", also die Bevorzugung unterentwickelter Staaten in der Klimapolitik, was von vielen Kirchenvertretern, linken Journalisten usw. befürwortet wird.
    Gutmenschen fordern also immer moralisches Verhalten zugunsten Dritter von ihrem eigenen Volk und seiner Politik, sie wollen was sie für eine bessere Welt halten, und sich selbst halten sie dabei für etwas Besseres und auch noch für besonders gebildet. Menschen die sich nur selber engagieren werden in der Regel nicht so bezeichnet, sondern eben solche die sich auf Kosten der Allgemeinheit in die Politik und Gesellschaft einmischen und wegen ihrer Netzwerke auch grossen Einfluss haben.

    So war wohl Ihre Definition (eher Wertung) von "Gutmensch". Hier finde ich mich größtenteils wieder, Ihre Wertungen, Vorurteile usw. lasse ich mal außen vor. Ich möchte nur auf zwei, drei Punkte eingehen, damit Sie verstehen, was ich verstanden habe: Auch ich fordere das (nach Ihrer Meinung nur scheinbar) Gute von der Politik, Sie nicht? "Gut" ist doch immer eine Frage des Standpunkts. Auch ich stehe als Gewerkschaftsmitglied eher links, lehne also auch Wohlstand auf Kosten anderer ab. Auch ich finde den Hunger in der "Dritten Welt" nicht allzu gut und tue etwas dagegen. Und so weiter. Das sollte als (durchaus unvollständige) Charakterisierung meiner selbst genügen, Ihre anderen oben zitierten "Argumente gegen Gutmenschentum" lasse ich mal außen vor. Ich gestehe Ihnen Ihre Meinung zu, teile sie aber in weiten Bereichen nicht.

    Ich fühle mich also sehr wohl von Ihrer Gutmenschen-Definition angesprochen, ich habe Ihren Text aufmerksam gelesen und sehr wohl verstanden.

    Oder: Für Sie ist ein "Gutmensch" nur, wer alle die von Ihnen kritisierten Meinungen in sich vereint? Sie haben Ihre Formulierungen in dieser Hinsicht sehr vage gehalten...

    Zitat von Rechter Europäer
    3. Will ich überhaupt niemanden ermorden und foltern. Siehe oben, Textverständnis: manchmal, Lust, bestimmte Situation vs. konkret wollen oder vorhaben

    Also, wenn Sie sagen, dass Sie bei solchen Leuten oftmals (nicht manchmal) die Mordlust packt, spricht das für sich, ob Sie es nun ausführen wollen oder nicht, alleine diese Formulierung ist mehr als krass, schon fast eine Morddrohung. Und Sie spitzen das Ganze auch noch mit Ihrer im selben Satze geäußerten "Lust zu foltern" so richtig zu, sicherlich nur unabsichtlich? So jedenfalls habe ich Ihren Text verstanden.

    Gewalt gegenüber Menschen - auch wenn sie nur insgeheim gewünscht wird - ist inakzeptabel, ich hoffe, Sie stimmen mir da zu. Und wenn Sie diese "Mordlust" (Ihre Formulierung) nur überkommt, weil diese Menschen anders denken als Sie, wird es unerträglich für mich.

    Aber vielleicht sehe ich es auch nur alleine so.

  • "Gutmenschen"Datum08.12.2009 22:46
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema "Gutmenschen"

    Ich halte Sie nicht für einen Extremisten. Aber hören Sie sich mal selbst:

    Zitat von Rechter Europäer
    Mich persönlich packt bei solchen Leuten oftmals nicht nur die Mordlust, sondern ich habe richtig Lust sie vorher auch noch zu foltern.

    Nun meine Frage: Warum wollen Sie mich ermorden und vorher auch noch foltern?

    Ich persönlich halte mich für einen Gutmenschen - ich fördere das Deutsche Rote Kreuz und bin selbst Ersthelfer, gehe Blut spenden, habe mich bei der DKMS typisieren lassen, helfe also anderen Menschen. Ich bin Mitglied meiner Gewerkschaft und helfe unseren Arbeitnehmern bei Tarifauseinandersetzungen. Ich habe auf Grund meiner Ausbildung einigermaßen Ahnung von meinem Fachgebiete, der Datenverarbeitung und helfe Menschen in meiner Umgebung bei ihren PC-Problemen. Ich bin gut zu Menschen, also ein Gutmensch, oder?

    Überlegen Sie sich Ihre Antwort gut. Am besten ist es, wenn Sie die Nacht drüber schlafen.

    Und glauben Sie nicht, dass ich Ihnen abnehme, Sie hätten diese Ihre von mir zitierte Sentenz im Affekt geäußert.

    P.S. Ich habe zum Mittel der öffentlich gestellten Frage an Sie gegriffen, da ich annehme, die Antwort ist von allgemeinem und grundsätzlichen Interesse. Sie können mir aber auch privat antworten.

  • "Gutmenschen"Datum08.12.2009 22:12
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema "Gutmenschen"

    Zitat von Schamane
    Weiterhin: wir sind ein Sprachforum und kein virtuelles Testgelände für ideologische Flammenwerfer. Extremismus ist hier unerwünscht.

    Schließe mich dem an. Ideologische Debatten können in den Privaten Nachrichten ausgetragen werden, da bekommt es keiner weiter mit. Deswegen gehe ich auch nicht näher auf Ihre Einwürfe ein, es ist - auch in Antwort auf Beiträge anderer Teilnehmer - dazu schon alles gesagt worden, was hier relevant wäre.

  • Berliner Morgenpost: Warum das "Unwort des Jahres" langsam nervt

    Unwort, Jugendwort, bedrohte Wörter, eingewanderte Wörter, Szenesprache und so weiter: Langsam fangen die ganzen Wortwahlen an zu nerven. Entweder wird "Sprachkritik" das letzte Unwort des Jahres oder aber wir verlangen Sprachpflege total! Vom Schimpfwort bis zum Kosewort.

    Das „Unwort des Jahres“ ist zwar noch nicht gewählt, aber die Veranstalter sind vorsichtshalber nun schon einmal mit den besten Vorschlägen an die Öffentlichkeit gegangen: „Leistungsträger“ oder „Kopftuchmädchen“ könnten es werden, besonders häufig aber wurde bisher „betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“ eingereicht.

    Nun ist die dreiste Arroganz, die hinter etwa letzterer Formulierung steht, sicher wirklich widerlich. Aber langsam drängt sich doch auf, dass nicht Betriebsräte das Land verseuchen, sondern viel eher die wütende Lust an der Sprachkritik. 1500 Vorschläge kamen bei der „Unwort“-Aktion schon an, viel mehr als in den Vorjahren. Aber die ist ja nur eine von etlichen Aktionen.

    Wir haben internationale Wörter des Jahres („Twitter“ ist das englische, jedenfalls nach einem der vielen Wettbewerbe), bedrohte Wörter, eingewanderte Wörter, ausgewanderte Wörter, Jugendwörter des Jahres (derzeit: „hartzen“). Sätze des Jahres. Ein „Blog-Wort“ des Jahres wird gefordert.

    Man suhlt sich in soviel Semantik, da interessiert die Welt da draußen natürlich nicht mehr. Gemäß der Philosophie des Jahres gibt es sie vielleicht nicht, wer weiß. Hier kommt jetzt, ganz ohne Abstimmung, die Erkenntnis des Jahres: Die Sache nervt. Sie fängt an zu stinken.

    Entweder wird „Sprachkritik“ das letzte Unwort des Jahres, und danach schafft der Zirkus sich selbst ab. Oder aber wir verlangen Sprachpflege total! Das Schimpfwort des Jahres („Größte Pfeife unter Gottes Sonne“), das Kosewort des Jahres (irgendwas mit „Zweiohr“), die Vornamen des Jahres (alle von Guttenberg) und irgendwo muss noch „Minarettverbot“ hin.

    Ach so, ist ja schon: Wort des Jahres in der Schweiz nämlich, keineswegs Unwort, wurde vergangenen Mittwoch entschieden. Unsere Worte des Jahres lauten: „langweilig“ und „erwartbar“. Sie beschreiben die vielen, vielen sprachkritischen Aktionen, von denen manche früher mal gut waren, bevor sie in irre Betriebsamkeit übergangen sind. Einreichungen für das Schweigen des Jahres werden ab sofort entgegen genommen.

    Thomas Lindemann

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