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  • FaviconDatum15.08.2010 09:48
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Favicon

    Es gab schon einmal eines. Das heißt, eigentlich gibt es dieses noch. Da aber unser derzeitiger Forensoftware-Anbieter seine Forensoftware schon wieder radikal umgebaut hat, werde ich demnächst wieder einmal alle Quelltexte durchforsten dürfen. Dabei steht natürlich auch das Favicon auf der Agenda.

    Sollte also demnächst wieder nur Wirrwarr auf den Seiten erscheinen: Habt Geduld, ich bastele...

  • JournalismusDatum12.08.2010 11:25
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Journalismus

    Die sonst nicht so für seriösen Journalismus bekannte "B.Z." schreibt zum Thema "Bundespräsidentenbrötchen":

    First Brötchen - Bellevue-Brot aus Hannover - Warum?

    09. August 2010 23.38 Uhr, Konstantin Marrach

    Im Schloss Bellevue wird Brot aus Niedersachsen serviert. Grünen und Unweltverband protestieren.

    Diese Brötchen duften nach Extra-Wurst. Beim Koch des Schloss Bellevue scheinen unsere Schrippen nicht allzu beliebt zu sein. Denn die First Brötchen werden aus Hannover geliefert.

    Der Haus-und-Hof-Bäcker heißt Jochen Gaues, der fünf Filialen in der niedersächsischen Landeshauptstadt betreibt. Der 44-Jährige servierte schon für Jack Nicholson und Udo Lindenberg. Zur WM 2006 lieferte er sein von Hand hergestelltes Ochsen-, Gersten- und Kohl-Speck-Brot ins Schlosshotel Grunewald, in dem die Nationalmannschaft einquartiert war.

    „Dass Brötchen aus Hannover im Schloss Bellevue serviert werden, ist verrückt“, sagt Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling. „Es muss doch bei uns einen Bäcker geben, der die Schrippen auch nach Herrn Wulffs Geschmack backt.“ Carmen Schulze, Sprecherin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, sieht das ähnlich. Umwelttechnisch sei es ohnehin besser, die Waren vor Ort zu produzieren. Und Hans-Joachim Blauert von der Berliner Bäcker-Innung sagt: „Qualitativ muss sich Berliner Brot nicht hinter dem aus Hannover verstecken.“

    Monatlich gehen zwei Großlieferungen ans Schloss Bellevue. Eine Entscheidung aber, die nicht Bundespräsident Christian Wulff getroffen hat. Denn die Brottransporte aus Hannover haben seit der Amtszeit von Roman Herzog Tradition. „Der Umsatz ist mit 400 Euro nicht so hoch“, sagt Bäcker Gaues, betont aber: „Es gibt nur einen Bundespräsidenten, und der hat einen Bäcker aus Hannover.“

    Aber schmecken unsere Brötchen denn gar nicht? „Die Waren aus Hannover werden vor allem bei großen Empfängen serviert“, so ein Sprecher des Bundespräsidialamtes zur B.Z. „Ansonsten kaufen wir natürlich auch in Berlin Brot und Brötchen.“
    ---
    Eine andere Zeitung, die "Berliner Morgenpost" (ebenfalls Springer-Verlag) schrieb gestern einen fast gleich lautenden Artikel, bemerkte aber dazu, dass Lieferant Gaues nicht extra für das Schloss Bellevue liefert, sondern in Berlin sowieso verschiedene Hotels, darunter das "Adlon" beliefere.

    Gestern war der Artikel noch vollständig da, heute kostet er Geld...

  • JournalismusDatum11.08.2010 07:58
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Journalismus

    Das nenne ich Vollbeschäftigung!

  • JournalismusDatum10.08.2010 10:14
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Journalismus

    Zitat von Fritz-Franz

    Zitat von Der Spiegel
    Berlin/Hannover – Da sage nochmal jemand, es gebe im Sommerloch keine echten Aufreger: Mit Unverständnis haben Umweltschützer und die Berliner Handwerkskammer auf die Lieferung von Backwaren aus Hannover für den Bundespräsidenten reagiert.



    Ja, und wer stopft mit dieser Meldung das Sommerloch? Eben: Der Spiegel. – Und dabei ist diese Meldung sogar des Bedenkens wert. Denn weiter schreibt der Spiegel:

    Zitat von
    Allerdings wird das Schloß Bellevue bereits seit Jahren beliefert – also auch schon unter Wulff-Vorgänger Horst Köhler. Und zwar nur zweimal im Monat, da die Mengenabnahme viel geringer ist als die eines Restaurants. Bundespräsident Christian Wulff bekommt fast nur Brötchen und Vollkornbrot. „Der Umsatz ist mit 400 Euro nicht so hoch“, sagt Bäcker Gaues. Na dann: Guten Appetit!



    400 Euro (das sind ca. 550 Schweizerfranken) monatlich allein für Brötchen und Vollkornbrot! Da muß ja den Hartz-IV-Empfängern das Kuchenfressen verleiden.



    Aber in den Supermärkten dieser Stadt Berlin liegen Produkte aus aller Herren Bundes- und Ausländer, auch für die normalzahlende Bevölkerung. Sie sind die Ursache für den dichten LKW-Verkehr in dieser Republik, inklusive Schadstoffausstoß. Aber eine monatliche Lieferung für den höchsten Repräsentanten ist natürlich viel schädlicher. Vor allem hat man einen Namen, auf dem man herumhacken kann. Eigentlich ein eher unwichtiges Thema, Pücklers Schloss steht unter Wasser! Sommerloch eben.

  • BeobachtungenDatum08.08.2010 10:21
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Beobachtungen

    Irgendwie kam mir dieses VDS-blau doch sehr bekannt vor :-)

  • Brauche moralischen BeistandDatum05.08.2010 09:01
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Brauche moralischen Beistand

    Auch von mir ein Willkommen!

    Zitat von Dorftrottel
    Sagt mir, daß ich Recht habe mit der Bleistift, ...


    Und natürlich hast Du recht. Der Duden (25. Auflage, S. 283, linke Spalte, 3. Zeile von unten) sagt: "Blei|stift, der; vgl. ²Blei". (Farbliche Hervorhebung von mir.) Keine Ausnahmen weit und breit sichtbar, auch nicht für die Schweiz.

  • Thema von AndyOSW im Forum Aktivitäten zur Sprach...

    Der Tagesspiegel: Lesenlernen: Sorgen um eine Kulturtechnik

    Wir lesen ein Buch und tauchen als eine andere Person aus der Lektüre wieder auf. Maryanne Wolf beobachtet das Gehirn beim Lesen.

    Machiavelli ließ für zwei Personen decken, wenn er sich mit einem Buch zu Tisch setzte. Man sagt, er habe sich dazu gern auch im Stil gekleidet, der zum Autor des Werkes passte. Ein Luxus – nicht nur die Vorbereitungen für das fürstliche Diner, sondern auch das Lesen selbst. Die Erhaltung unserer Art wäre vermutlich nicht bedroht, falls wir es aus dem Repertoire unserer Verhaltensweisen streichen sollten. Und doch würde uns etwas fehlen.

    Zugegeben: Wir wurden nicht als Leseratten geboren. Mit einem eigenen Gen dafür sind wir nicht ausgestattet. „Für die einzelnen Hirnfunktionen, die am komplexen Vorgang des Lesens beteiligt sind, sind eine ganze Reihe von Genen zuständig“, sagt Maryanne Wolf, die das Zentrum für Lese- und Sprachforschung an der Tufts-Universität in Boston leitet. Das Lesen ist das Lebensthema der Spezialistin für kindliche Gehirnentwicklung. In ihrem Buch „Das lesende Gehirn“ (Spektrum Akademischer Verlag, 26 Euro 95) hat sie ihre Erkenntnisse zusammengefasst – als passende Lektüre für alle Eltern von Schulanfängern, die sich nach den großen Ferien dem Abenteuer der Alphabetisierung zuwenden.

    Eine geistige Zuflucht sei das Lesen, schrieb Marcel Proust, die dem Menschen Zuflucht zu Tausenden von verschiedenen Wirklichkeiten biete. „Wir tauchen als eine andere Person aus diesem Prozess wieder auf“, ergänzte Wolf kürzlich bei einem Auftritt in Berlin.

    Im englischen Original trägt ihr Buch einen poetischen Titel, der zu dieser Erkenntnis passt: „Proust and the Squid“, Proust und der Tintenfisch. Steht Proust für die fiktiven Welten, die das Lesen eröffnet, so steht der Tintenfisch für die Hirnforschung, denn in deren frühen Phasen war das Meerestier mit seinen langen Nervenfasern ein wichtiger Modellorganismus.

    Wenn der Mensch lesen lernt, gehen in seinem Gehirn gewaltige Um- und Anbaumaßnahmen vor sich. Um zu erklären, was dabei passiert, stützt sich Wolf auf den Hirnforscher Stanislas Dehaene, der vom neuronalen Recycling spricht. Wir nutzen dabei die angestammte und von alters her dringend gebrauchte Fähigkeit unserer Gehirne, Gegenstände zu repräsentieren, wir münzen sie nur auf Symbole um. Unser Gehirn kann lesen lernen, weil es in der Lage ist, neue Verbindungen zwischen Schaltkreisen und Strukturen herzustellen, die ursprünglich für lebenswichtige Prozesse wie das Sehen oder auch das Sprechen zuständig waren. Im Lauf der Zeit spezialisieren sich ganze Gruppen von Nervenzellen, der Prozess läuft automatisch ab.

    Das ist wichtig, denn nur wenn es schnell geht, nur wenn die Schriftzeichen in Windeseile und ganz automatisch mit einem Laut verbunden und zu Wörtern zusammengesetzt werden, bilden sich die begehrten Bedeutungen. Nur dann macht Lesen Spaß. „Man hat 100 bis 200 Millisekunden Zeit, um zu verstehen, was ein Wort ist“, sagt Wolf. Kein Wunder, wenn Leseanfänger noch keine Zusammenhänge erfassen: Sie sind zu sehr mit dem Vorgang des Lesens selbst beschäftigt. Wenn das allmählich besser wird, ehe sie den Mut verlieren, ist alles gut. „Beim Übergang vom korrekten Entziffern zum fließenden Lesen benötigt ein Kind oft von Herzen kommende Ermunterung von Lehrern, Betreuern und Eltern, um sich an anspruchsvolle Lektüre zu wagen.“

    Alles beginnt dabei schon weit vor dem ersten Schultag, „in den 2000 Tagen, die das Gehirn eines kleinen Kindes auf das Lesenlernen vorbereiten“. Tage, in denen sie Sprache hören, sprechen lernen, vorgelesen bekommen, Erfahrungen mit Reimen und Sprachspielen sammeln, erste Buchstaben malen. „Lesen ergibt sich nie einfach nur so“, sagt Wolf. Die Ungerechtigkeit besteht vor allem bei der frühen Förderung.

    30 bis 40 Prozent der Viertklässler in den USA lernen nicht, wirklich flüssig zu lesen. Eine niederschmetternde Zahl ist das schon deshalb, weil wenig später alle voraussetzen, dass das Kind lesen kann. Es wird in den höheren Schulklassen nicht mehr gelehrt, es ist Mittel zum Zweck geworden. Auch Kinder mit einer Leseschwäche, die das Pensum später aufholen, haben dann oft eine Geschichte von Demütigungen hinter sich.

    „Was mich und meine Kollegen in der Legasthenieforschung frustriert, ist, dass dieser Kreislauf des Misserfolgs großenteils vermeidbar wäre“, schreibt Wolf. Dazu ist es nötig, schon bei Kindergartenkindern Besonderheiten zu erkennen, ehe daraus Probleme entstehen. Wolf erläutert genau, welche Vorgänge im Gehirn von Menschen anders ablaufen können, die sich beim Lesen schwer tun. Es gibt zeitliche Verzögerungen bei jedem Verarbeitungsschritt, vom visuellen Erkennen der Buchstaben bis zur Verarbeitung von Bedeutungen, es werden in einigen Fällen wohl aber auch andere, untypische und vor allem weniger effektive Leseschaltkreise im Gehirn angelegt.

    „Die“ Legasthenie gibt es nicht. „Es wird nie eine einzige Hypothese geben, die alle möglichen Formen von Leseschwächen, insbesondere über mehrere Sprachen hinweg, erklären kann.“ Denn nicht zuletzt entscheiden Charakteristika der jeweiligen Landessprache darüber, an welcher Stelle Lese-Neulinge am ehesten Probleme bekommen werden. Auf all diese Unterschiede muss die Förderung sich einstellen, wenn sie wirken soll. Wo die Rechtschreibung relativ verständlich ist, wie etwa im Deutschen oder im Italienischen, ist weniger das Entziffern einzelner Wörter schwierig als das zusammenhängende, flüssige Lesen ganzer Texte.

    Das aber ist es, worauf alles hinausläuft: Lesen, und dabei etwas aufnehmen, das als Bereicherung empfunden wird. Zuallererst sind das Informationen über die reale Welt. Als Bestandteil unserer Schriftkultur werden hier die elektronischen Medien immer wichtiger.

    Maryanne Wolf macht sich denn auch keine Sorgen, dass die Menschheit so schnell das Lesen wieder verlernen könnte. Lese-Neulinge, die von Anfang an mehr in der digitalen Welt zu Hause sind als in der der Bücher, könnten ihrer Ansicht jedoch das deep reading verpassen, das tiefe Eintauchen in eine Welt der Buchstaben, deren Code wir knacken müssen, um mit dem Zugang zu anderen Welten belohnt zu werden. Dazu gehört in ihren Augen Zeit und Geduld.

    Kein Lese-Gen sichert, dass unsere Nachkommen sich die nötige Muße nehmen werden. Falls sie sich zu Unrecht Sorgen mache, sei das wunderbar, sagte die engagierte Professorin in Berlin. „Ich mag mich irren, aber sicherheitshalber tue ich das lieber laut.“ Wolf plädiert dafür, ein Repertoire von Kulturtechniken aufzustellen, das wir der nächsten Generation unbedingt übermitteln wollen. Dafür sei es jetzt höchste Zeit. „Nie zuvor hat man die komplexe Schönheit des Lesevorgangs und die Vielfalt der damit verbundenen Leistungen wissenschaftlich so gut durchschaut wie heute. Und noch nie lief das Lesen so sehr Gefahr, von anderen Kommunikationsformen ersetzt zu werden.“

  • Piep-piiieeep-piep! :)

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Der Tagesspiegel: Die offene Sprache und ihre Feinde

    Matthies ringt um Worte: In seiner Online-Sprachkolumne bespricht Bernd Matthies diesmal das Buch "Deutsch lebt!", mit dem Wolf Schneider und andere Aktionisten gegen Anglizismen fighten.

    Die große Gefahr bei einer solchen Kolumne besteht darin, dass der Autor eines Tages als „Sprachnörgler“ bloßgestellt wird. Ein schwerer Vorwurf ohne Möglichkeit der Gegenwehr. Denn beweisen Sie mal, dass Sie kein Nörgler sind, sondern im Gegenteil einer, der die sachlich gebotene Kritik auf einen Höhepunkt der Konstruktivität zu führen versteht! Wenn ich die Lage richtig interpretiere, dann sitzen die Feinde der Sprachnörgler sehr überwiegend auf einschlägigen Lehrstühlen. Ihre rein deskriptive Haltung zur Sprachentwicklung ist vergleichbar mit der eines Entomologen, der einen Käfer mit sieben Beinen per se aufregender findet als einen mit sechs, egal, wie scheußlich das für Laien ausschaut. Die Nörgler selbst, überwiegend Journalisten, gebildete Pensionäre, fachfremde Wissenschaftler, argumentieren dagegen eher aus der Perspektive des enttäuschten Liebhabers, dem die Sprache nicht zu willen sein möchte; ihr Vormann ist der Obernörgler Bastian Sick. Spreizt sich ein Bildungspolitiker mit der Gründung eines neuen „Exzellenzclusters“, platzen sie schier vor Hohn und Spott (was ich verstehen kann). Und zum Public Viewing gehen sie erst, wenn es auf gut Deutsch „Fußballkino“ heißt (na ja).

    Die „Aktion Lebendiges Deutsch“, die von Walter Krämer, Wolf Schneider, Cornelius Sommer und Josef Kraus ins Leben gerufen wurde, hat für eine lange Reihe von Anglizismen neue oder alte deutsche Wörter gesucht und ihre Arbeit dieser Tage nach vier Jahren eingestellt. „Dankenswerterweise eingegangen“ höhnt der Exponent der wissenschaftlichen Seite, der Bremer Blogger und Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Er sagt von sich, er habe nichts gegen Sprachpflege – nur solle man sie einfach betreiben, „ohne sich als Kämpfer gegen den Untergang des Abendlandes aufzuspielen“. Das Buch „Deutsch lebt!“ (Untertitel: „Ein Appell zum Aufwachen“), das von den vier Aktionisten geschrieben wurde und die Ergebnisse ihrer Arbeit zusammenfasst, liegt nun vor. Und es ist ein unfreiwillig gutes Beispiel dafür geworden, dass Stefanowitsch nicht ganz falsch liegt.

    Es liest sich zwar flott, denn dem Textduktus ist deutlich anzumerken, dass Schneider Hand angelegt und das allzu platte Untergangsraunen zugunsten einer vernunftbetonten Argumentation wegredigiert hat - das unterscheidet das Buch von den oft eifernden Publikationen des Vereins Deutsche Sprache (VDS), bei dem man gern allerdumpfsten Antiamerikanismus als Sprachkritik verpackt. Auch die spießige Quote für deutschsprachige Musik taucht gottlob hier nicht auf. Aber…

    Wie das Buch sehr schön deutlich macht, gibt es verschiedene Kategorien von Anglizismen; am einfachsten lassen sich jene vermeiden, die ein vorhandenes deutsches Wort nur übersetzen. Es gibt schlicht keinen Grund – es sei denn Imponiergehabe -, aus dem Anreiz ein „Incentive“ zu drechseln, aus dem Berater einen „Consultant“ oder aus dem Handzettel einen „Flyer“. „Bildwerfer“ für den im englischen Sprachraum unbekannten „Beamer“ geht in Ordnung. Viele Computernutzer nennen ihr Gerät ohnehin „Rechner“, also spricht auch nichts dagegen, das Laptop oder Notebook zum „Klapprechner“ zu machen. „Ausrüstung“ statt des angeberhaft profimäßigen „Equipments“, kein Problem. Und das seltsame Phänomen, dass die Champions League außerhalb des englischen Sprachraums fast nur in Deutschland „Champions League“ heißt, ließe sich durch das Wort „Meisterliga“ leicht beseitigen.

    Nur sind das Banalitäten, die keine aufwendige Suche rechtfertigen. Die meisten aus dem Englischen eingeschleppten Begriffe fügen sich aber nicht so einfach, zumal, wenn sich ihr Sinn längst selbstständig gemacht hat: Der „Event“ ist ein Ereignis oder eine Veranstaltung, aber schon das Wort „Eventkultur“ transportiert ironische Konnotationen von hohlen Angeber-Galas, eine Nebenbedeutung, die durch schlichte Übersetzung verloren geht. „Meuten“ für „Mobbing“, das klingt nicht übel, hat aber auch den Nachteil, dass das für uns nicht transparente englische Wort einen Bedeutungswandel durchgemacht hat: Wir können längst auch von einem Einzelnen gemobbt werden. Die „Meute“ springt hinter diese Entwicklung wieder zurück. „Zeitwahl“ für „Timing“, geht gar nicht, das klingt eher nach Waschmaschine und deutscher Pünktlichkeit als nach der Kunst, beim Witzeerzählen oder Flankenschlagen den richtigen Moment zu erwischen, wäre also ein sinnloser Ersatz eines angenehm differenzierenden Lehnworts.

    Für den „Coffee to go“ wird uns der befremdliche „Gehkaffee“ vorgeschlagen, der nach verstaubtem Gehrock schmeckt, obwohl die Geradeaus-Übersetzung „Kaffee zum Mitnehmen“ doch so nahe liegt; wer lieber Tee mitnehmen will, müsste „Gehtee“ bestellen, oh je. „Nordic Walking“ ist eben doch etwas anderes als das nun vorgeschlagene „Sportwandern“, das eher nach strammen Waden als nach spitzen Stöcken klingt. Und völlig blödsinnig wäre es, ein eindeutiges, gut in die deutsche Grammatik passendes Wort wie „Cursor“ durch den vieldeutigen und damit unpräziseren „Blinker“ zu ersetzen, der ja auch beim Angeln und Autofahren Dienst tun muss. Nur wegen der englischen Herkunft? Hier zeigt sich der irrational deutschtümelnde Ansatz der Wortsuche besonders deutlich. Mag sein, dass der Cursor dereinst Körser heißt, wie der Cake zum Keks wurde. Gut! Aber wenn er es nicht tut, geht das Abendland auch nicht unter.

    Gänzlich fragwürdig ist das ohnehin nicht ganz ins System der Sprachpflege passende Lamento über den Verfall des Deutschen als Wissenschaftssprache, das einen gewichtigen Teil des Buchs ausmacht. Wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass deutsche Wissenschaftler auf internationalen Kongressen nur „daherstottern“ und deshalb englischen Muttersprachlern unterlegen sind, dann müssen sie eben besser Englisch lernen – und dann ist es auch richtig, diese Sprache in den deutschen Universitäten zu etablieren, statt sich in haltlosen kulturpessimistischen Mutmaßungen beispielsweise darüber zu ergehen, dass die Psychoanalyse auf Englisch nie erfunden worden wäre. (Schade eigentlich…) Im Übrigen widerlegen deutsche Austauschstudenten und Wissenschaftler, die im Ausland erfolgreich sind, diese Unterlegenheitstheorie täglich tausendfach. Sicher ist es ein idiotischer Irrweg, wenn deutsche Unternehmen ihren deutschen Mitarbeitern befehlen, sich untereinander auf Englisch zu verständigen. Aber weshalb deutsche Einrichtungen nun dafür kämpfen sollten, sich im deutschen Sprachfuror international zu isolieren und mit der Welt nur noch per Dolmetscher zu kommunizieren - dafür wird kein auch nur ansatzweise überzeugendes Argument genannt.

    Deutsch lebt? Na klar. Für diese Erkenntnis hätte es der Aktion allerdings nicht bedurft. Ihr Buch liefert guten Diskussionsstoff, aber nicht mehr. (IFB-Verlag, 14,80 Euro).
    ---
    Beim IFB-Verlag Paderborn erscheinen auch andere vom Verein Deutsche Sprache e.V. initiierte Schriftwerke wie z.B. der "Anglizismen-INDEX".

  • beet'n SpijöökDatum22.06.2010 18:04
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema beet'n Spijöök

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l
  • BildBLOG: Out of Loch NessDatum06.06.2010 11:50
    Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    BildBLOG: Out of Loch Ness

    Spiegel Online

    Am größten, tollsten, schönsten – die deutsche Sprache ist nicht unbedingt das beste Arbeitsmaterial für Marktschreier. Um das Publikum zu ködern, muss man schon Fantasie haben, darf keine Scheu haben, Worte neu zu besetzen. Wie zum Beispiel Hape Kerkeling, der vor 20 Jahren nicht etwa formschöne Badeutensilien, sondern Mörder-Duschhauben verteilte.

    Diesem Vorbild wollte wohl der Redakteur von Spiegel Online nacheifern, als er eine Überschrift für diesen Artikel suchte, der vom bisher größten riesig-gigantischen Windpark handelt, der vor der britischen Küste entsteht.



    Torsten Kleinz am 5.6.10 um 14:09

  • Ich glaube, 100%ig im Zusammenhange mit Sprachen gibt es nicht - ich muss selbst ab und an im Duden nachschlagen.

  • Obwohl ich englisch zu fast 100% verstehe (lesen, hören), mich mit Hilfe eines geeigneten Wörterbuches verständlich ausdrücken kann (schreiben), würde ich mich nicht als zweisprachig bezeichnen.

    Zweisprachigkeit ist auch für mich durch die Herkunft der Eltern bedingt, wenn denn im Elternhause beide Sprachen an die Nachkommen weitergegeben werden.

    Ein anderer Fall direkt aus meinem Umfelde: Vater ist Mosambikaner (lebt seit 1980 in der DDR/BRD, spricht portugiesisch und deutsch), Mutter Portugiesin (spricht ebenfalls portugiesisch und deutsch). Die Eltern sprechen zu Hause meistens deutsch, vor allem mit dem Kind (7 Jahre). Portugiesisch reden die Eltern nur untereinander, aber eher selten. Das Kind kann ein paar portugiesische Brocken. Das Kind ist für mich nicht mehr zweisprachig, die Eltern schon noch.

  • Wer Storm sät, muss Gewitter erntenDatum30.05.2010 09:33

    In meinem Exemplar heißt es:

    Zitat von Hosea 8,7
    "Denn sie säen Wind und werden Ungewitter einernten; ..."


    ((c) 1994 by Lechner Eurobooks (Switzerland) SA. Der Text folgt der historischen Fassung von 1912.)

  • Zitat von Gernot Klein
    Egal wie die englische Sprache ueberall in der EU im Vordergrund steht, wird sie trotzdem die einzelnen Muttersprachen der europaeischen Mitgliedsstaaten niemals ersetzen koennen.


    Das sehe ich auch so. Eine Totalverdrängung der Muttersprachen hat es auch in der Vergangenheit (man denke nur an das Hebräische!) nicht gegeben.

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Der Tagesspiegel / Sprachkolumne: Das Wort als abgenutztes Bild

    Matthies ringt um Worte. Heute: Warum müssen Alarmglocken eigentlich immer schrillen, Herzen immer höher schlagen und Tanzbeine immer geschwungen werden? Ein Überblick über die schlimmsten Sprachbilder.

    Noch nie wurde so viel geschrieben wie heute. Schneller, höher, weiter, dümmer. Weit sind wir entfernt von Franz Kafkas vorsichtiger Präzision: "Jedes Wort, bevor es sich von mir niederschreiben läßt, dreht sich zuerst nach allen Seiten um." Heute dreht sich nur noch wenig um, bevor es von gehetzten Lokalreportern oder schwatzsüchtigen Bloggern ins Orbit geschossen wird. Selbst wenn das Resultat frei von Grammatikfehlern ist, ächzt es oft unter abgenutzten Sprachbildern. Allerdings reicht das naturgegebene Biotop dieser Klischees von ganz unten bis ganz nach oben. Sie dominieren unsere Vereins- und Gemeindezeitungen ebenso wie den Tagesthemen-Kommentar, der die ARD-Nomenklatura nur zu oft beim Hantieren mit toten Sprachresten zeigt. Hier sind die fünf schlimmsten - die nächsten folgen in der nächsten Woche:

    Die Alarmglocken schrillen

    Gibt es heute noch Alarmglocken? Und falls ja: Schrillen sie dann? Oder ist das eher eine Eigenschaft der Alarmsirenen? Schwer zu beantworten. Wir wissen aber: Die Alarmglocken müssten schrillen. Jedenfalls in den Parteizentralen. Denn immer, wenn bei Wahlen irgendwo auf der Welt eine Partei Stimmen verliert, findet sich alsbald ein deutscher Fernsehkommentator und äußert die Vermutung, in der jeweiligen Parteizentrale müssten jetzt die, eventuell sogar alle Alarmglocken… Das Bild tritt selten allein auf, sondern in der Regel gemeinsam mit schiefen Bildern: Gern werden die Koalitionspartner ins Boot geholt, um dort an einem Strang zu ziehen, denn bei ihnen ist es bereits fünf vor zwölf, und das Licht am Ende des Tunnels noch lange nicht in Sicht. Am Ende hilft nur noch: Alle sollten sich an die eigene Nase fassen. Und dort kräftig zudrücken, damit der Luftmangel den Ausstoß weiteren Sprachmülls unterbricht.

    Die Seele baumeln lassen

    Es gibt sogar ein Foto dazu im Internet, veröffentlicht bei der "Geo-Reisecommunity": Das Ufer eines schwedischen Sees mit einem Steinhaufen, am Horizont Bäume, wolkiger Himmel. Drunter steht: "Hier kann man die Seele baumeln lassen." Nun ist unstrittig, dass jeder, der sich auf die Steine setzt, die Füße baumeln lassen kann, sogar im Wasser. Aber die Seele? Müsste da nicht eine Aufhängevorrichtung, eine sog. Seelenschaukel, her? Viele von uns stellen sich die Seele ja als ein graubraunes Ding vor, wie Kalbsbries, nur leichter, das zum Baumelnlassen an irgendwelche Fäden gehängt werden muss, damit es nicht runterfällt. Aber ist das wirklich angenehm? Und baumelt die Seele nicht lockerer, leichter, wenn dazu, anders als auf dem schwedischen Foto, die Sonne scheint? Ach: Kurt Tucholsky hat da mal für die Stimmung in Gripsholm ein ganz hübsches Bild ersonnen. Aber muss es nun heute auf jedes der weltweit drei Milliarden Hotelzimmer und Ferienapartments angewendet werden?

    Lässt das Herz höher schlagen

    "Da schlagen Fotoherzen höher" teilt uns Canon in seiner Presseinformation zur neuen Kamera EOS 550D mit. Fotoherzen! Also keine Enten-, Hunde- oder Altmännerherzen, sondern Fotoherzen, offensichtlich etwas, was in diesen neuen Digitalkameras steckt und schlägt, höher, schneller, weiter. "Schlag höher!" sagt auch Vitali Klitschko zu seinem Bruder Wladimir, aber er meint damit das Kinn des Gegners, und das ist nicht ganz im Sinne des populären Klischees. Es setzt voraus, dass jemand etwas besonders mag und angeblich mit erhöhter Herzfrequenz reagiert, wenn er es sieht, Briefmarken, Formel-eins-Rennwagen, Diddlmäuse, ganz egal. Lieblingssatz: "Neuer Beta-Blocker lässt Apothekerherzen höher schlagen."

    Das Tanzbein / den Kochlöffel schwingen


    Das wäre der Idealfall: Dass einer, akrobatisch begnadet, mit der einen Hand das Tanzbein schwingt und mit der anderen den Kochlöffel. Bis dahin müssen wir uns mit Halbheiten begnügen. "Der Eierjokel will zu Ostern das Tanzbein schwingen", erfuhren wir dieser Tage aus Bautzen, erstaunlich, da sich der Eierjokel doch bislang stets mit dem Eierschieben begnügte. Das Tanzbeinschwingen ist ein seltsames Phänomen, denn es fügt dem schlichten Tanzen nichts hinzu außer einem doofen Bild: Da steht einer auf einem Bein und schwingt das andere, das so genannte Tanzbein, hin und her. Bis ihn drei kräftige Männer abholen kommen? Man muss sich die Entstehung des Tanzbeins wohl so vorstellen, dass einst unsere deutschsprachige Tanzberichterstatter nicht mehr immer "Tanzen" schreiben wollten und deshalb eine Lawine von Synonymen lostraten, unter der wir heute noch japsen. Denn es gibt etwas noch Schrecklicheres: "Dürener Seniorenbeirat legte eine kesse Sohle aufs Parkett". Da liegt sie nun, und wir können nur hoffen, dass niemand beim Versuch, das Tanzbein zu schwingen, drüber stolpert. Sind ja nicht mehr die Jüngsten, die kessen Sohlenleger.

    Es sich nicht nehmen lassen

    Wer in der Hierarchie etwas höher angesiedelt ist, der schwingt das Tanzbein nicht einfach. Sondern er lässt es sich nicht nehmen, das Tanzbein zu schwingen - der Herr Bürgermeister beispielsweise. Seltsamerweise wird dabei nie, nie die Frage beantwortet, wer ihm diese bescheidene Beschäftigung denn nehmen wolle. Ist es nicht vielmehr so, dass der Herr Bürgermeister höchst widerwillig zum Ball der Heiterwanger Schausteller gekommen ist und nicht mehr fürchtet, als mit der dicken Gattin des Schaustellerpräsidenten den Eröffnungstanz absolvieren zu müssen? Und muss er sich nicht verhöhnt fühlen, wenn er anderntags in der Zeitung liest, er habe sich dieses schreckliche Erlebnis "nicht nehmen lassen"?

  • Zusammen oder getrennt geschrieben?Datum22.04.2010 16:28
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Zusammen oder getrennt geschrieben?

    Ich bin kein Fachmann, aber so aus dem Bauche heraus würde ich es auseinander schreiben. Schon um das Schriftbild vom wohlbekannten "über jemanden herziehen" abzugrenzen.

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Berliner Kurier: Britin spricht plötzlich wie eine Chinesin

    London - Nach einem schweren Migräneanfall hat eine Frau aus England einen seltsamen Aussprachewandel erlebt - neuerdings spricht sie nach eigener Schilderung unfreiwillig mit chinesischen Akzent. Dabei hat die 35-jährige Sarah Colwill aus Plymouth niemals Chinesisch gelernt und war auch nie in China.

    Colwill selbst glaubt, dass sie unter dem Fremdsprachen-Akzent-Syndrom (FAS) leidet. Dabei handelt es sich um eine äußerst seltene Störung, von der weltweit erst einige Dutzend Fälle bekannt wurden. Als Folge spricht die 35-Jährige die englische Sprache nicht mehr mit dem Dialekt ihrer Heimatregion in Südwestengland, sondern in einem chinesischen Tonfall.

    Die 35-Jährige erzählte, anfangs habe sie ihre neue Aussprache noch "ganz lustig" gefunden, aber inzwischen mache sie ihr zu schaffen. Sie ärgere sich über den Klang ihrer Stimme. "Das ist nicht meine Stimme."

    Laut ihren Schilderungen war sie nach ihrer Migräneattacke von einem Krankenwagen abgeholt worden. Die Helfer hätten ihr gesagt, dass sie sich wie eine Chinesin anhöre. Später telefonierte sie dann vom Krankenhaus aus mit ihrer Schwiegertochter. "Sie hat nicht erkannt, wer ich bin."

    Das Fremdsprachen-Akzent-Syndrom wird von Medizinern normalerweise mit einem Schlaganfall oder einer Gehirnverletzung in Verbindung gebracht. Die Störung ist seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt. 1941 traf es eine Norwegerin Sie hatte während des Krieges eine schwere Kopfverletzung erlitten und sprach dann plötzlich mit deutschem Akzent. Prompt bekam sie damals Probleme in ihrer Heimat, weil man für eine deutsche Spionin hielt.

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