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  • IdiotengenitivDatum18.10.2010 16:01
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    Auch ich habe wieder was gelernt. Und wenn sowas nur einmal im Jahre vorkommt, hat sich das hier gelohnt. In anderen Foren ist auch nicht mehr los. Oder wir bekommen nicht mehr soviel zu lesen, weil vorher "ausgemistet" wurde...

  • IdiotengenitivDatum14.10.2010 17:05
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    Ist "deren" nicht die Plural-Entsprechung von "dessen"? Was soll daran unzulässig gebeugt sein? In meinem Beispiele wollte ich eben ein besitzanzeigendes Fürwort verwenden. "Deren" bezieht sich auf die "Besitzer" des gefeuerten Trainers: die in Mehrzahl auftretende klingonische Nationalmannschaft.

    Natürlich kann man alles auch anders schreiben, muss man aber nicht, dank der Ausdrucksvielfalt der deutschen Sprache.

  • Berliner Morgenpost: Böhmer will Deutsch auf Pausenhöfen durchsetzen

    Mittwoch, 13. Oktober 2010 15:34 - Von Thomas Vitzthum

    Geht es nach der Integrationsbeauftragten Böhmer, soll auf deutschen Pausenhöfen deutsch gesprochen werden. Auch die FDP ist dafür.

    Wenn im Schulsport der Ball eine Zahnspange trifft, wird schon einmal geflucht – aber auf Deutsch. Selbstverständlich ist das nicht, denn fast zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler des Privatgymnasiums VIB in Hannover haben türkische Wurzeln.

    In den Familien wird oft nur Türkisch gesprochen. In der Schule herrscht dagegen Deutschpflicht, im Unterricht und auf dem Pausenhof. „Wir wissen, dass gute Bildung das Leben einfach macht. Wir haben uns gewünscht, dass Kinder mit und ohne Migrationshintergrund die selben Chancen erlangen“, sagt Schulverwaltungsleiter Rakip Dumlu. Probleme die Deutschpflicht durchzusetzen, gebe es keine.

    Ginge es nach dem Generalsekretär der FDP, Christian Lindner und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, sollte dieses Vorbild im wahrsten Wortsinn Schule machen. Beide plädieren für eine Deutschpflicht; im Unterricht ist sie Konsens, ob man die Schüler allerdings dazu zwingen kann auch in den Pausen, in privaten Gesprächen Deutsch zu sprechen, da gehen die Meinungen auseinander.

    Lindner sagte der "Bild"-Zeitung: „An manchen Schulen sind Deutsche inzwischen die Minderheit. Es hilft der Integration, wenn dort Deutsch nicht nur im Unterricht gesprochen wird, sondern auch auf dem Pausenhof." Maria Böhmer hält die Zeit für entsprechende Vereinbarungen an den Schulen für reif: „Vor einem Jahr hat diese Diskussion noch einen Aufschrei hervorgerufen. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Deutsch muss Schulsprache sein“, sagte Böhmer Morgenpost Online ONLINE.

    Vorreiter der Deutschpflicht war die Herbert-Hoover-Oberschule im Berliner Stadtteil Wedding. Vor etwa fünf Jahren wurde dort die Deutschpflicht in die Schulordnung geschrieben. Über den Satz „Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur auf Deutsch zu verständigen“, hatten Eltern, Lehrer und Schüler diskutiert, die Schulkonferenz hatte darüber abgestimmt. Niemand regte sich auf, bis ein gutes Jahr später das türkische Massenblatt „Hürriyet“ über den Fall berichtete und bald türkische Verbände und die Grünen Sturm gegen das liefen, was sie als Diktat, als Diskriminierung ansahen. Haben sich die Zeiten seither geändert? Offensichtlich.

    „Passt euch an! Lernt Deutsch!“, hat gerade der türkische Europaminister Egemen Bagis den Deutschtürken zugerufen. Da muss der Widerstand derjenigen verstummen, die jeden Anpassungsgedanken zurückweisen. „Die Zahl der Schulen, an denen sich die Schulfamilie auf Deutsch als Schulsprache festlegt, steigt“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger. Es gebe eine Bewegung von unten, die vor allem von den Gesamtschulleitern angeführt werde.

    Häufig sind es die Gesamtschulen, die Haupt- und Realschulen, an denen ein Migrantenanteil von weit über 50 Prozent längst die Regel ist. Für Meidinger machen allerdings Verordnungen oder Gesetze keinen Sinn. „Will man einen Schüler vor Gericht bringen, wenn er ein türkisches Wort gesagt hat? Da machen wir uns lächerlich.“ Eltern, Schüler, Lehrer und Schulträger müssten sich auf eine Art Vertrag einigen, die Kultusministerkonferenz (KMK) könnte Deutsch als Schulsprache aber empfehlen. Am Freitag trifft die KMK mit Migrantenverbänden zusammen. Der Präsident der KMK, Ludwig Spaenle, (CSU) sagt: "Für mich als bayerischer Kultusminister ist klar, dass es keine Sprachinseln geben darf." Auch Spaenle ist gegen offizielle Verordnungen, die Schulgemeinschaft selbst solle sich diese Verpflichtung auferlegen.

    Am Privatgymnasium VIB in Hannover hat die Deutschpflicht alle überzeugt. Inzwischen steigt die Zahl der Anmeldungen deutscher Schüler – ohne Migrationshintergrund.



    Wenn ich den letzten Satz richtig verstehe, dann melden also weniger nichtdeutschstämmige Eltern ihre Kinder in dieser Schule an? Ist dann die Maßnahme nicht eher verdrängend geartet statt integrationsstiftend?

  • IdiotengenitivDatum13.10.2010 16:57
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    POS heißt Polytechnische Oberschule und war die 10-jährige Standardschule in der DDR, den Realschulen heute vergleichbar. Schulabgänger hatten normalerweise einen 10-Klassen-Abschluss (manchmal auch nur 8). Das Abitur bekam man auf der Erweiterten Oberschule, die man nach der 8. bzw. 10. Klasse besuchen konnte. Es war auch möglich, das Abitur bei der Facharbeiterausbildung (die dann 3 statt 2 Jahre dauerte), abzulegen. Als Facharbeiter wiederum hatte man im Rahmen eines Fernstudiums ein vorbereitendes Jahr einzulegen, in dem man dann ein Fachabitur machen konnte. Letzteres wäre das meinige, wenn nicht die Wiedervereinigung dazwischengekommen wäre.

    Und welchen Fall eine Präposition verlangt, ist von Präposition zu Präposition unterschiedlich. Ein Blick in den Duden oder mein Bauchgefühl, das sind meine Rezepte. Manchmal auch eine Frage des persönlichen Stils, wie im Falle der Präposition "wegen":

    Wegen des schlechten Abschneidens der klingonischen Nationalmannschaft wurde deren Trainer gefeuert. (Genitiv) Hier könnte man auch den Dativ verwenden, klingt dann aber recht prollig. Der Berliner übrigens würde beides ignorieren: Wejen det schlechte Abschneiden...

    oder:

    Er war wegen Geschäften nicht im Hause. (Dativ)

  • Mal'n Gedicht (wieder mal)Datum11.10.2010 18:45
    Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Einleitend: Bei der Deutschen Bahn gab es dieses Jahr zum 175-jährigen Jubiläum der deutschen Eisenbahnen einen Kreativwettbewerb "Vom Adler bis zum ICE". Und da es passt, präsentiere ich hier den Gewinner in der Kategorie Text:

    Heimatverbundenheit
    Von Eva Hofmann

    Die „Bahn“: Das Wort klingt, als gäbe es das schon immer. Beständig, fast tröstlich in Zeiten von
    Wandel und Unsicherheit. Und irgendwie nach Heimat.
    Szenen.

    Fensterplatz.
    Gleichmäßiges Rattern.
    Draußen ziehen grüne Wiesen und Felder vorbei. Eine Ortschaft. Ein Bachlauf.
    Meine Heimat, mein Land: grün, blühend, fruchtbar. Die Dörfer und kleinen Städte, die vorbeiziehen,
    strahlen Ruhe und Einfachheit aus.
    Die Ruhe überträgt sich auf mich.
    Gleichmäßig rattert der Zug.

    Bahnsteig.
    Geschäftiges Treiben.
    Menschen eilen, rufen, umarmen sich, winken. Eine Familie, ein Geschäftsmann.
    Meine Heimat, meine Mitmenschen: bunt, einzigartig, lebendig. Die Reisenden um mich herum
    strahlen Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit aus.
    Die Lebendigkeit steckt mich an.
    Erst langsam leert sich der Bahnsteig.

    Güterzug.
    Vorbeiziehende Fracht.
    Endlos reiht sich Waggon an Waggon. Industriegüter, Baustoffe, Tanks.
    Meine Heimat, meine Arbeit: wertvoll, anlagenintensiv, bodenständig. Die vorbeiziehenden Güter
    strahlen Wirtschaftskraft und Wohlstand aus.
    Der Transport lässt mich an unsere großen Industriestandorte denken.
    In der Ferne verschwindet der letzte Waggon.

    Die „Bahn“: Das Wort kennt jeder. Schnörkellos, fast einfach. Und irgendwie vertraut.

    Fensterplatz.
    Knacksen im Lautsprecher.
    Der Zugchef begrüßt die Fahrgäste auf Englisch. Eine falsche Aussprache. Das Augenrollen eines
    Fahrgastes. Das Englisch war nicht perfekt.
    Einzigartigkeit,
    Liebenswürdigkeit.
    Verbundenheit?
    Gleichmäßig rattert der Zug.

    Bahnsteig.
    Hektisches Treiben.
    Menschen hasten, schreien, rempeln sich an. Ein provokanter Blick. Ein Schlag in die Magengrube.
    Ein Mann bricht zusammen.
    Bodenständigkeit,
    Werte.
    Verbundenheit?
    Erst langsam leert sich der Bahnsteig.

    Güterzug.
    Verdeckte Sicht.
    Hinter den vorbeiziehenden Waggons liegt das Abstellgleis. Ausrangierte Fahrzeuge. Löwenzahn
    zwischen den Gleisen. Es fehlt die Arbeit.
    Blüten,
    Grün.
    Verbundenheit?
    In der Ferne verschwindet der letzte Waggon.

    Die Bahn: Fast einfach. Und irgendwie verbindlich.

  • Stephan Serin: Föhn mich nicht zu.Datum11.10.2010 18:30
    Thema von AndyOSW im Forum Buch-, Radio- und Fern...

    Wegen Kolumbus Amerika

    Überrascht erlebt ein junger Lehrer Berliner Schulen als sprachliche Notstandsgebiete. In "Föhn mich nicht zu" erzählt Stephan Serin amüsante Begebenheiten aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer.


    Leseprobe:

    Ich kam an die Werner-Heisenberg-Schule in der Brunnenstraße im Stadtbezirk Berlin-Mitte. Als ich dort mein Referendariat aufnahm, schockte mich neben dem Mangel an Disziplin auch die fehlende Sprachkompetenz m,einer Schüler. Ich hatte mich nie selbst für besonders sprachbegabt gehalten, aber im Klassenraum wurde ich mit meinen fehlerfreien Hauptsätzen zu einem lexikalischen und syntaktischen Genie. Wenn ich hingegen den Schülern in der Pause beim Sprechen zuhörte, dröhnten mir sofort die Ohren:

    "Musstu Alexa, ja?"

    "Isch Alexa, wallah."

    "Ischauch."

    "Hast du U-Bahn?"

    "Hab Bus!"

    "Binich auch Bus."

    "Weißdu gestern?"

    "Nee, weiß nisch."

    "Musstu wissen gestern."

    "Isch?"

    "Musstu wissen."

    "Was?"

    "Gestern. Isch bin U-Bahn. Isch kein Fahrschein. Isch gefickt von Kontrolleur."

    "Escht? Tschüüsch! Musstu schlagen, Kontrolleur."

    "Nee, nisch schlagen. Kontrolleur Frau."

    "Echt schwul, die Muschi!"

    In der ersten Zeit stellte ich mir oft die Frage, welche Gespräche man als Lehrer hörte, wenn man nicht wie ich auf dem Gymnasium unterrichtete. Vielleicht ließen die Schüler an Haupt- und Realschulen Verben und Personalpronomen gänzlich weg und gebrauchten nur noch Nomen.

    Der Pausenjargon der Jugendlichen war das eine, aber in den Stunden machte ich keine anderen Erfahrungen. Mir bereitete die Sprache der Schüler fast körperliche Schmerzen, denn ich war von meinen Eltern früh dazu erzogen worden, auf meine Ausdrucksweise zu achten. Bereits als Erstklässler musste ich vor ihnen jeden Samstag einen Kurzvortrag zu einem Thema halten, das ich erst zwei Tage zuvor erfuhr, oftmals zu Gegenständen, anhand derer sich die Überlegenheit des Kommunismus nachweisen und der Untergang des Kapitalismus prophezeien ließ. Und schon zu Kindergartenzeiten wurde ich gemaßregelt, sobald ich mich schlampig ausdrückte. Fragte ich am Abendbrottisch: "Kann ich mal bitte Milch?", statt vorschriftsmäßig: "Kann ich mal bitte die Milch haben?", so schlug mir mein Vater zur Strafe mit der Gabel auf die Finger. Man mag das für grausam halten, aber in der DDR der achtziger Jahre waren solche Züchtigungen an der Tagesordnung. Nur so war es möglich, dass im friedliebenden Teil Deutschlands bis zum bitteren Ende auf höchstem Niveau Konversation betrieben wurde - während auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs die deutsche Sprache bereits in tiefer Agonie lag. DDR-Bürgern wäre es beispielsweise nie eingefallen, elliptische Satzstrukturen zu gebrauchen. Selbst für die Bekanntgabe einer Telefonnummer arbeiteten wir mit Para- und Hypotaxe: "Zuerst hebst du den Hörer ab. Im Anschluss daran steckst du den Zeigefinger in das Loch mit der Nummer 4 der Fingerlochscheibe. Durch eine anschließende Rechtsdrehung bis zum Fingeranschlag spannst du die Rückdrehfeder bis zum Anschlag. Nachdem dies erfolgt ist, verlässt der Finger das Loch, sodass die Fingerlochscheibe linksdrehend durch die Rückdrehfeder wieder in ihre Ausgangslage gebracht wird. Nun, ohne den Hörer wieder aufzulegen, steckst du deinen Zeigefinger erneut in das Loch mit der Ziffer 4. Durch eine weitere Rechtsdrehung wiederum bis zum Anschlag..."

    Für den Austausch von Telefonnummern musste man viel Zeit einplanen. Darum verzichteten in der DDR die meisten auf dieses Medium. Es entsprach einfach nicht unseren praktischen Kommunikationsbedürfnissen. Lieber fuhr man kurz von Berlin nach Dresden. Das ging schneller.

    Verständlicherweise irritierte mich die nachlässige bis fehlerhafte Ausdrucksweise der Menschen aus den alten Bundesländern noch lange nach dem Mauerfall. Zehn Jahre sprachlicher DDR-Sozialisation konnte und wollte ich einfach nicht so abschütteln. So war mir all meinen Freundinnen aus dem Westen auch immer unangenehm aufgefallen, dass sie beim Sex bestenfalls einzelne Worte stöhnten. Oft hatte ich unser Liebesspiel deshalb unterbrechen müsse und sie gebeten, das Stöhnen zwar zu wiederholen - und zwar im ganzen Satz. Daran war manche Beziehung gescheitert. Bei meinen Schülern musste ich noch häufiger intervenieren. Eigentlich konnte ich am Werner-Heisenberg-Gymnasium keine Äußerung einfach so stehen lassen. Das führte regelmäßig zu ausgedehnten Lehrer-Schüler-Pingpongs:

    "Cemal! Erläutere mir bitte, wie der Humanismus dazu beitrug, dass die Europäer damals unbekannte Regionen und Kontinente entdeckten."

    "Kolumbus."

    "Cemal, bitte antworte im ganzen Satz!"

    "Wegen Kolumbus."

    "Das ist noch kein ganzer Satz, Cemal."

    "Doch!"

    "Nein, da liegst du falsch."

    Über diese Streitfrage in der Klasse abzustimmen, hätte Cemal zu einem Kantersieg verholfen, weshalb ich auf solche plebiszitären Elemente verzichtete und lieber fortfuhr, ihn zu triezen. "Welches Element gehört denn in einen Satz?"

    "Weisnisch!"

    "Jeder Satz braucht ein Verb. Ein Tuwort. Also: Was tat Kolumbus?"

    "Amerika!"

    "Das ist kein Verb, aber sicherlich auch eine Information, die in den Satz gehört. Also ich fasse mal zusammen: Wegen Kolumbus Amerika. Nun zum Verb: Was hat Kolumbus denn getan, um nach Amerika zu gelangen?"

    "Mit Schiff."

    "Okay, halten wir fest: Wegen Kolumbus Amerika mit Schiff. Was hat er mit dem Schiff gemacht, um nach Amerika zu gelangen?"

    "Gefahren!"

    "Also: Wegen Kolumbus Amerika mit Schiff gefahren. Ist es das, was du sagen wolltest?"

    "Ja."

    "Dann wiederhole bitte: Der Humanismus trug zur Entdeckung unbekannter Regionen und Kontinente bei, weil Kolumbus mit dem Schiff nach Amerika gesegelt ist."

    "Der Humanismus trug zur Entdeckung bei von Regionen äh ..., weil Kolumbus nach Amerika gesegelt ist, äh ... also mit 'nem Schiff."

    "Sprachlich ist das jetzt soweit in Ordnung, inhaltlich aber trotzdem falsch. Leider ist die Stunde nun zu Ende. Überlegt euch bitte bis zum nächsten Mal, wie die Antwort richtig hätte lauten müssen!"

    Dieses Beispiel gehört noch zu den Erfolgserlebnissen. Normalerweise wurde ich gar nicht verstanden, zumal wenn ich die Operatoren - also die Verben mit Aufforderungscharakter - verwendete, die uns unsere Ausbilder aufnötigten.

    "Ermittelt bitte aus dem Text, was die Ursachen für den Aufstieg der NSDAP waren."

    "Wasis ermitteln?"

    Das heißt so viel wie rausholen. Informationen aus dem Text rausholen."

    "Escht krass! Wieisch Informationen aus Text holen. Habisch Schere? ... Nee."

    Oder: "Beurteilt bitte, ob Hitler die Macht ergriffen hat oder übertragen bekam."

    "Wasis beurteilen?"

    "Zu einer Frage eine begründete Meinung formulieren."

    "Ischhasse Hitler."

    Mein Unterricht war ein täglicher Kampf um das Einhalten sprachlicher Mindeststandards. Stofflich kam ich kaum voran. Wenn ich die Schüler im Französischunterricht aufforderte, einen dreihundert Wörter umfassenden Text zu lesen und alle Adjektive zu unterstreichen, die Gefühle ausdrücken, scheiterte ich daran, dass die Schüler nicht mal im Deutschen wussten, was eigentlich Adjektive waren und durch welche Begriffe Gefühle ausgedrückt werden konnten. So begnügte ich mich am Ende damit, dass die Schüler im Text einfach alle Wörter unterstrichen, aber für jedes eine andere Farbe benutzten.

    Natürlich befriedigte mich das nicht. Das war nicht der Unterricht, den ich mir vorgestellt hatte. Der sprachliche Kontrast zu meiner eigenen Kindheit wurde mir jeden Tag umso drastischer in Erinnerung gerufen, als das Werner-Heisenberg-Gymnasium einer von den viergeschossigen Plattenbauten aus Stahlbeton war, in denen viele Ostberliner Schüler - auch ich - bis zur Wende unterrichtet worden waren. Nur hatte es eben mittlerweile zwei offenbar unrenovierte Jahrzehnte mehr in den Gliedern. Wie auch die zahlreichen Lehrer, die hier bereits vor dem Mauerfall tätig waren und die am sprachlichen Niedergang in ihrem Arbeitsumfeld ebenso hätten Anstoß nehmen müssen wie ich. Doch bei den gestandenen Kollegen stieß ich mit meinen Klagen auf taube Ohren. Niemanden schienen die Sprachprobleme der Schüler noch aufzuregen. Alle verschanzten sich hinter einem nach außen gekehrten Pragmatismus, der in Wirklichkeit Gleichgültigkeit kaschierte. Frau Willing, eine unserer Deutschlehrerinnen, meinte: "Man darf von einem Schüler der Oberstufe nicht zu viel verlangen. Man muss sich auf die heutigen Jugendlichen einstellen. Meine Klausuren bestehen daher einzig aus Ankreuzaufgaben. In ganzen Sätzen schreiben zu lernen, dafür gibt es schließlich die Uni."

    Andere verlangten von ihren Schülern nicht einmal mehr Deutsch zu sprechen, solange sie überhaupt irgendeine Sprache benutzten - auch wenn sie als Lehrer diese gar nicht verstanden. Es musste nur ein Schüler der Klasse mit derselben Muttersprache bezeugen, dass die Äußerung richtig war. Meiner Fassungslosigkeit begegnete keiner der Kollegen mit Verständnis: " Seien Sie doch froh, dass die Schüler überhaupt antworten. An anderen Schulen würde man sSie abstechen, wenn Sie die ansprechen. Außerdem hat es einen Vorteil, wenn die Schüler kaum Deutsch beherrschen. Wollen Sie mit Kollegen über die herziehen, müssen Sie das nicht heimlich tun. Verwenden Sie einfach Nebensätze. Und schon wird Sie keiner der Schüler verstehen."

    Auch wenn mich dieses Desinteresse am sprachlichen Unvermögen der Jugendlichen anfangs sehr empörte, wurde mangels Erfolg selbst bei mir der Widerstand dagegen mit der Zeit schwächer, denn mein Aufbäumen war ein einsamer und vergeblicher Kampf gegen Windmühlenräder. Irgendwann fand ich mich ebenfalls damit ab, dass sich die Schüler schlechter ausdrückten, als sie sollten, indem ich mir einredete, sie würden sich einfach anders ausdrücken. Und folglich gab auch ich mich schließlich mit Ein-Wort-Antworten zufrieden. Bezeichnete ein Schüler im Unterricht Wilhelm II. als Vollhoden, dann deutete ich das großzügig dahingehend, dass er die kriegstreiberische Rolle des letzten deutschen Kaisers sehr wohl begriffen hatte. Immerhin ermöglichte mir diese neue Aufgeschlossenheit meinerseits, einige jugendsprachliche Begriffe kennenzulernen, die mir mit meiner ursprünglichen Haltung wohl entgangen wären.

    Angesagte Musiker wurden als endgeil, porno, tight oder mörder bezeichnet, Stars, die out waren, als voll assig. Einen Schüler, der sich am unteren Ende der Klassenhierarchie befand, sah man als Opfa oder als Toy. Lehrer waren schizo oder wurden wegen ihres Alters Kadaver genannt, in einer größeren Ansammlung als Krampfadergeschwader. Der immer elegant gekleidete und mit spitzen Lippen und distinguiert schrägem Kopf durch die dreckigen Flure eilende Herr Menz war wegen seiner Homosexualität voll gaylord. Ich wurde aufgrund meiner Größe abwechselnd als Bonsai oder Nabelküsser tituliert. Herr Rauer, der zu viel redete, föhnte die Schüler zu. Die magenkranke und auch sonst überall leidende Frau Flach hatte Mundgulli und Gesäßhusten, also einen schlechten Atem und Blähungen. Für Menschen mit Pickeln wurden alternativ die Bezeichnungen Akne-X und Clearasil-Testgelände benutzt.

    Natürlich bemühte ich mich darum, mir diese Begriffe nicht zu eigen zu machen, mich weiterhin korrekt und in ganzen Sätzen zu artikulieren. Dennoch hinterließ die Sprache meiner Berlin-Mitte-Schüler bei mir Spuren. Das merkte ich erst, als ich nach dem Referendariat für eine kurze Zeit eine Stelle als Vertretungslehrer im Kant-Gymnasium in Zehlendorf annahm. Die sehr aufmerksamen und früh geförderten Arzt-, Psychologen- und Anwaltskinder im Französischunterricht waren ziemlich verwundert, als ich sie in der ersten Stunde darum bat, im zu lesenden Text alle Wörter mit unterschiedlichen Farben zu markieren und ihnen anbot, beim Sprechen und Schreiben einfach Verben und Artikel wegzulassen, weil die Sprache dadurch einfacher würde. In meinem Grundkurs Politik kam es sogar zum Eklat, weil ich eine Schüleräußerung nicht entsprechend würdigte:

    "Einleitend bitte ich Sie, mir zu sagen, was Ihnen spontan zum politischen System der BRD einfällt ... Ja, Hannes!"

    "Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie und ein Bundesstaat. Manche sprechen auch von einem Parteienstaat wegen der zentralen Bedeutung des Parteienwesens für den Prozess der Meinungs- und Willensbildung. Wahlen werden überwiegend als personalisierte Verhältniswahlen durchgeführt. Zentrale Aufgaben der politischen Institutionen werden durch das Grundgesetz geregelt, zum Beispiel die Rolle von Parlament und Regierung."

    Ich kommentierte seinen Beitrag in einer Weise, wie es mir noch nie passiert war. Es rutschte einfach so heraus: "Is ja gut! Nun föhn mich mal nicht zu! Die Message ist anjekommen, du Schnellchecker! Andre wollen auch noch was sagen."

    Einen Tag später standen seine Eltern auf der Matte. Hannes war aber auch echt empfindlich. Der sollte froh sein, dass er in Zehlendorf zur Schule ging. In Mitte wäre er mit seinem langen Monolog von seinen Mitschülern abgestochen worden. Das habe ich auch den Eltern erklärt. Sie haben wohl nur deshalb nichts gegen mich unternommen, weil meine Zeit an der Schule sowieso nach einem Monat beendet war...

    ---

    Stephan Serin: Föhn mich nicht zu.
    Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2010. 256 Seiten, 9,95 €

  • IdiotengenitivDatum11.10.2010 18:20
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    Nachtrag: @Dorftrottel: Hauptwörter haben natürlich außerdem einen Artikel. Im Beispiel von "Dank" ist es "der". Versuchen Sie mal, dem "Dank" in Ihren Beispielen einen bestimmten oder unbestimmten Artikel hinzuzufügen. Sie werden Schiffbruch erleiden. Es sind eben Präpositionen, keine Hauptwörter. Ich bin trotzdem kein Sprachwissenschaftler. Denn das mit den Hauptwörtern habe ich noch aus dem schon relativ lange zurückliegenden Deutschunterricht (mittlere Reife übrigens ohne Abitur, da POS-Abschluss) behalten.

  • IdiotengenitivDatum11.10.2010 18:10
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    @Dorftrottel: Um beim Thema zu bleiben: Sie fragten weder nach "Dank" (Substantiv oder Hauptwort) noch nach "dank" (Präposition), sondern nach dem Fallgebrauch bei "danken" (Verb oder Tuwort). Diese Frage gedachte ich zu beantworten. Die Beispiele mit der Präposition "dank" brachte ich nur an, weil sie im täglichen Sprachgebrauche den einen oder anderen zum Verwenden des falschen Falles beim Tuwort "danken" verleiten könnten. Ist aber nur eine Mutmaßung von mir.

    Im übrigen schreibt man wohl alle Hauptwörter groß, alle Präpositionen klein, außer am Satzanfange wie bei Ihren Beispielen. Und anders als bei Tuwörtern und Präpositionen verlangen Hauptwörter keinen Fall, sie erhalten ihn vielmehr durch Beugung. Welcher Fall anzuwenden ist, entscheidet ein Regelwerk der deutschen Sprache, oder Ihr Bauchgefühl. Letzteres kann trügen - Ihr beklagtes Beispiel "Sie danken jemandes." entsprang bestimmt einem solchen.

  • IdiotengenitivDatum09.10.2010 20:35
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    Ich schlage nicht bei jeder meiner Wortneuschöpfungen nach, ob diese den kritischen Anforderungen studierter Sprachwissenschaftler genügen. Ich schöpfe einfach neu und dachte, Sie verstehen, was ich meinte. Ein einfaches Drüberweglesen (auch dieses Wort steht nicht im Duden) hätte genügt - oder Sie hätten nachgefragt (der Gebrauch des Gedankenstrichs an dieser Stelle ist sicher auch verkehrt). Ich oute mich mal als bildungsfern: Ich besitze nur die mittlere Reife, habe einen Facharbeiterabschluss, dafür aber nie Latein- oder Altgriechischunterrricht gehabt. Und was heißt nun bitte "pleonastisch"? Ich schreibe falsche Vokabeln, Sie dafür unverständliche. Und jetzt schalte ich den Sarkasmusmodus wieder ab und hoffe, dass Sie mich verstanden haben. :-)

  • IdiotengenitivDatum09.10.2010 11:10
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Idiotengenitiv

    "Sie danken jemandes." - Ist natürlich falsche Anwendung des zweiten Falles. In der Schule haben wir die Anwendung des richtigen Falles durch eine Kontrollfrage ermittelt: "Wem danken sie?". Das setzt natürlich voraus, dass ich weiß, dass "Wem" im dritten Fall steht.

    Ein anderer Punkt ist die Präposition "dank", die den zweiten oder dritten Fall verlangt, im Plural meistens den zweiten Fall: "dank meinem Fleiße", "dank eures guten Willens", "dank raffinierter Verfahren". Wenn man den jeweils anderen Fall anwendet, klingt es anders, ungewohnt: "dank meines Fleißes", "dank eurem guten Willen".

    Ob man sich wegen des schlechten Deutsch der anderen aber suizidiert.... Was nötig ist, ist Bildung.

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Der Tagesspiegel: Pirahã-Indianer: "Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen!"

    Gesungen, gepfiffen, gesummt: Die Sprache der Pirahã-Indianer am Amazonas stellt Forscher vor ein Rätsel.

    Kein Zweifel, der Dschungel ist voller Gefahren, vor allem nachts. Und wer weniger schläft, der härtet sich ab, so glauben die Pirahã (gesprochen: Pidahan). Als eines der letzten Jäger- und Sammler-Völker leben sie an einem Nebenfluss des Amazonas in Brasilien, in einem Reservat von 240 Kilometern Länge, zwei Tagesreisen mit dem Boot von den Außenrändern unserer Zivilisation entfernt. Es sind kaum mehr als 350 Menschen, die noch heute weitgehend ohne zivilisatorische Errungenschaften auskommen, mit einfachen Hütten ohne Wände und festen Boden, ohne Strom, Telefon und auch ohne Arzt.

    Daniel Everett kam erstmals 1977 als Missionar zu ihnen, im Auftrag eines amerikanischen Missionsunternehmens und bezahlt von den evangelikalen Kirchen in den Vereinigten Staaten. Er kam, die Pirahã zum Christentum zu bekehren, „um ihre Herzen zu verändern“, und sie dazu zu bringen, einen ihnen fremden Gott anzubeten, an den ihnen fremde Menschen glaubten, deren Kultur und Moral sie annehmen sollten. „Obwohl ich die Pirahã noch nicht einmal kannte, war ich überzeugt, dass ich sie verändern kann und verändern sollte.“

    Das sei der Hintergrund nahezu jeder Missionstätigkeit, schreibt Everett heute, nachdem er die Pirahã über drei Jahrzehnte immer wieder besucht und mit Frau und drei Kindern über Jahre immer wieder bei ihnen im brasilianischen Regenwald gelebt hat. Doch am Ende ist er es, der dank dieses Lebens bei den Pirahã „entkehrt“ wird. Als Everett seinen Glauben verliert, verliert er auch seine Familie.

    Zusammengenommen sieben Jahre hat Everett, der heute Professor für Linguistik an der Universität von Illinois ist, seit seinem ersten Besuch bei den Pirahã im Urwald verbracht. In seinem Reise- und Lebensreport „Das glücklichste Volk“ schildert er nicht nur den Alltag eines Feldforschers am Amazonas. Sein Buch ist zugleich die Geschichte eines physischen wie auch intellektuellen Abenteuers. Die Lektüre ist dabei geradezu eine Wohltat, denn Everetts Bericht kommt nicht daher als massentaugliche Hochdruckbelehrung über die vermeintlich sinnstiftenden Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers, wie der Buchmarkt sie ansonsten bereithält. Hier berichtet einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem – wie er meint – wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt; zu Menschen, die sich beim Gutenacht-Sagen mit den Worten verabschieden: „Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen“.

    Fesselnd erzählt Everett von einer uns völlig fremden Welt, eröffnet einen faszinierenden Einblick in eine fremde Lebensweise, eine andere Sicht auf die Welt und vor allem eine ganz andere Art zu denken. Sein Buch mäandriert dabei auf gelungene Weise zwischen Abenteuer- und anthropologischem Forschungsbericht, der zudem beinahe beiläufig Einblicke in die Erkenntnisse der Linguisten erlaubt. Denn um Menschen zu bekehren, mussten Missionare überall auf der Erde zunächst die Sprache der Einheimischen lernen. Die Pirahãs machten es Everett wie schon seinen Vorgängern nicht leicht. Das Naturvolk blieb monolingual, weil es in seiner Abgeschiedenheit des Amazonas keinen Grund hatte, etwas anderes zu lernen als „Apaitsiiso“ – jene Sprache, „die aus dem Kopf geboren ist“.

    Tatsächlich unterscheidet sich Pirahã als ureigene Sprache von allen anderen, auch der anderer Amazonas-Indianer. Nicht nur, dass sie die gesungen, gepfiffen und gesummt wird, sie weicht auch strukturell von anderen Sprachen ab. Ihr fehlen viele Elemente, die wir für natürlich halten. Dass sie nur drei Vokale und acht Konsonanten besitzt, mag man noch hinnehmen, auch dass es kein Wort für „danke“ oder „Entschuldigung“ gibt.

    Vor allem aber kennen die Pirahã keine Wörter für Zahlen, keine für Farben, keine für gestern und heute. Sie bilden keine Nebensätze und verbinden daher niemals zwei einzelne Aussagen zu einer. Aus „der Mann hat ein Kanu“ und „der Mann fällt einen Baum“ wird bei den Pirahã niemals „der Mann, der ein Kanu hat, fällt einen Baum“, erklärt Everett. Weil ihnen genuine Farbbezeichnungen wie „rot“, „schwarz“ oder „grün“ fehlen, machen sie Farben durch charakteristisch gefärbte Dinge „wie Blut“, „wie Kohle“ oder „das ist noch nicht reif“ anschaulich. Fremden geben sie den Namen des ihnen am ähnlichsten Sippenmitglieds, und sie wechseln diese Namen mehrmals im Leben. Daniel Everett, den sie anfangs „Xoogiái“ nannten, hatte im Laufe seiner Karriere bei den Pirahã immerhin vier Namen, bis er als „Paóxaisi“ nach einem sehr alten Mann der Sippe benannt wurde.

    Vergeblich versuchte Everett, den Pirahã, die nicht zählen können, das Rechnen beizubringen. Sie waren auch nach Monaten fruchtlosen Lernens nicht in der Lage, auch nur die Thematik zu fassen: Nicht einem von ihnen gelang es, bis zehn zu zählen oder eins und eins zu addieren. In ihrer Sprache gibt es lediglich zwei Zahlwörter, meinte Everett anfangs. „Hói“ heißt eins und „hoí“ zwei (man beachte die feinen tonalen Unterschiede). Heute glaubt er indes, dass eine bessere Entsprechung „wenige“ und „viele“ wäre und den Pirahã somit Zahlwörter gänzlich fehlten. Immerhin: Offenbar spielt es für diese Menschen durchaus eine Rolle, ob entweder wenige oder viele Fische gefangen werden.

    Dank ihrer Besonderheiten – und wohl auch aufgrund der inzwischen bekannten Thesen Everetts – gehört Pirahã neuerdings zu den Sprachen, für die sich Linguisten auf der ganzen Welt interessieren. Unter ihnen haben Everetts Forschungen eine Debatte ausgelöst, denn seine Analyse ist umstritten. So glaubt Everett, dass die Sprache der Pirahã eng mit ihrer Lebensweise und dem Lebensraum verknüpft ist. Schließlich lehnen sie alles Abstrakte ab und kümmern sich nur um das Erfahren des Augenblicks. Dagegen sind viele Linguisten von einer universalen sprachlichen Grundstruktur und Grammatik des Menschen überzeugt, gleichsam dem kleinsten gemeinsamen Nenner der etwa 6500 lebenden Sprachen. Sie gehen davon aus, dass die Fähigkeit, komplexe Satzstrukturen zu bilden, in unseren Hirnen genetisch angelegt ist. Everett hält stattdessen die Sprache für flexibler und von der jeweiligen Kultur bestimmt, mithin unterscheiden sich Sprachen für ihn je nach Lebensraum und den Wertmaßstäben einer Gemeinschaft.

    Vermutlich deshalb blieben seine Bekehrungsversuche bei dem Volk letztlich erfolglos. Die fantasievolle Geschichte eines Jesus von Nazareth blieb ihnen gänzlich unbegreiflich. Erst spät erkennt Everett warum. Die Pirahã sprechen nur über Dinge, die sie selbst erlebt haben. Sie reden nicht über die ferne Vergangenheit oder die Zukunft, schon gar nicht über Fantasie-Ereignisse. „Hey, Dan“, fragen sie ihn, „wie kannst Du Jesus Worte haben, wenn Du ihn nie gesehen hast?“ Die Pirahã glauben nur, was sie sehen. Punkt. Manchmal glauben sie auch Dinge, die ein anderer ihnen erzählt hat – vorausgesetzt, dieser war tatsächlich Zeuge der geschilderten Ereignisse.

    Der Missionar erkennt, dass Schöpfungsmythen nicht zur Forderung der Pirahã nach unmittelbaren Belegen passen. Als Everett später als Linguist arbeitet, werden solche Belege auch für ihn als Wissenschaftler entscheidend. Für das, was er den Pirahã über seinen Glauben sagte, konnte er nur subjektive Begründungen anführen: seine eigenen Gefühle. Am Ende des Buches bekennt Everett, wie er durch die Beschäftigung mit den Pirahãs, die er anfangs bekehren sollte, das Wesen seiner eigenen Religion, den Akt des Glaubens an etwas, das man nicht sehen kann, ernsthaft infrage zu stellen begann. „Religiöse Bücher wie Bibel und Koran verherrlichen diese Art des Glaubens an Dinge, die nicht objektiv sind und der Intuition widersprechen. Das Leben nach dem Tod, die jungfräuliche Geburt, Engel, Wunder und anderes mehr.“

    Ein für primitiv gehaltenes Volk im Regenwald lehrt ihn, den christlichen Missionar und Sprachwissenschaftler, die Unmittelbarkeit des Erlebens und die Forderung nach Belegen.

    Daniel Everett: Das glücklichste Volk. Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas. DVA Sachbuch, München 2010, 416 Seiten, 24,95 Euro.

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    mediatopia: Deutsch – Redakteur/Redakteur – Deutsch
    Von Mark Heywinkel | Veröffentlicht am: 8. September 2010

    Wer sich im Redaktionsalltag zurechtfinden will, muss auch lernen, wie ein Redakteur zu sprechen. Eine kurze Einführung

    “Das müssen wir entweder mit heißer Nadel stricken oder gar nicht.”
    Dieser Satz fällt häufig in Redaktionssitzungen; übersetzt bedeutet er: “Die Nachricht ist so aktuell und wichtig, die müssen wir jetzt sofort bringen oder gar nicht mehr.”

    “Können wir einen Phoner machen?”
    Telefoninterview ist ein langes und uncooles Wort. Deshalb spricht der lässige Redakteur von heute vom Phoner.

    “Darüber schreibe ich einen Kalttext.”
    Manchmal kommt es vor, dass ein Redakteur keinen Experten zu einem Thema befragen kann oder nicht die Gelegenheit hat, am Ort des Geschehens Informationen zu sammeln. Der Artikel, den er dann auf Basis von Pressemitteilungen schreibt, wird als Kalttext bezeichnet.

    “In deinem Text sind unheimlich viele Deppenbindestriche.”
    Deppenbinde-Striche sind unnötige Binde-Striche. Eine Galerie mit wunderbaren Beispielen findet ihr hier.

    “Wir können den Text mal reinlaufen lassen.”
    Wenn der Redakteur von der Grafik prüfen lassen möchte, ob ein Artikel noch ins Layout passt oder möglicherweise schon zu lang ist, lässt die Grafik den Text “reinlaufen”, d. h. sie setzt ihn in das Layout ein.

    “Da sind schon wieder so viele Hurenkinder drin.”
    Sind die Texte geschrieben, kümmert sich die Grafik um den finalen Satz. Dabei kommt es gelegentlich vor, dass die letzte Zeile eines Textes oder eines Absatzes auf die nächste Seite hinüberrutscht. Diese sogenannten Hurenkinder sehen nicht besonders schön aus, hindern den Lesefluss – und werden von der Grafik beseitigt.

    “Wer hat den Plot gesehen?”
    Sobald Texte und Layout fertig sind, wird der Plot, d. h. ein Erstausdruck oder Prototyp einer Zeitschrift, erstellt. Häufig wird er für eine letzte Prüfung durch die Abteilungen gereicht – und hält sich auch schon mal unter einem Stapel Texte oder unter Aktenordnern versteckt.

    “Mit denen bartern wir nicht.”
    Von Zeit zu Zeit tauschen Zeitschriften Anzeigen untereinander aus, d. h. eine Werbeanzeige für Zeitschrift A erscheint in Zeitschrift B und umgekehrt. Wenn sich die Redaktionen gegen einen solchen Anzeigentausch entscheiden, wird nicht gebartert.

    Gerne darf diese Liste um weitere Begriffe aus dem Redaktionsalltag ergänzt werden.

  • **** TEST - TEST - TEST ****Datum08.09.2010 20:31
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema **** TEST - TEST - TEST ****

    Zur Info und Diskussion:

  • **** TEST - TEST - TEST ****Datum05.09.2010 17:42
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema **** TEST - TEST - TEST ****

    Finde ich auch. Außerdem ist noch Platz für das Banner :). Leider sind die Standard-Farbdesigns etwas beschränkt, aber ich werde mal sehen... Mit dem Grau kann ich mich anfreunden, aber das vertraute Blau hat so etwas Vertrautes. :)

  • **** TEST - TEST - TEST ****Datum05.09.2010 17:23
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema **** TEST - TEST - TEST ****

    Das blaue Design stammt aus der Linie "ProSilver":


    Das graue Design stammt aus der Linie "Gaia":

  • **** TEST - TEST - TEST ****Datum05.09.2010 16:48
    Thema von AndyOSW im Forum Hilfe und Anmerkungen...

    Das derzeitige Design dient zu Testzwecken. Ich probiere alles aus, würde mich aber auch über Reaktionen eurerseits freuen.

    Irgendwann wird das alte Design von unserem Forenbetreiber nicht mehr unterstützt werden (war das jetzt die richtige Zeitform ?).

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    20 Minuten Online: Die SBB spricht auch Balkan-Dialekt



    «Passt sich der Zürcher Verkehrsverbund jetzt dem Jugendslang an?», fragt Leserreporter Peter. Er hat am Sonntagmorgen eine S-Bahn entdeckt, auf deren Anzeige über dem Führerstand «Nix Einsteigen» stand. Die SBB kann auf Anfrage von 20 Minuten Online nicht sagen, ob der Zugführer dies absichtlich oder versehentlich gemacht hat. Es könne gelegentlich zu solchen Anzeigen kommen, sagt Mediensprecher Roman Marti. «Wenn sie Schmunzeln auslösen, umso besser.» Grundsätzlich bemühe man sich bei der SBB aber um korrekte Information.

    (ann)

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Die häufigsten Fehler der taz-Autoren

    Von taz-Korrektor Matthias Fink

    Die zunehmende Personalisierung von Nachrichten mag publizistisch ebenso bedenklich sein wie der Trend zu immer schneller fabrizierten Meldungen – sie sorgt aber dafür, dass uns Korrektoren die Arbeit so schnell nicht ausgeht: viele Namen, viel Zeitdruck, viele Fehler. Selbst der Anspruch, eine Person ausgiebig zu porträtieren oder ein als bedeutend erachtetes Buch zu rezensieren, geht längst nicht immer einher mit dem Bemühen, den einen zentralen Namen richtig zu schreiben.

    Besonders vertrackt wird es, wenn der Name auf s endet und im Genitiv steht. Hat der Autor, um dem Vorwurf des “Deppen-Apostrophs” zu entgehen, den Apostroph weggelassen? Noch komischer: Ist eine Endung mit oder ohne s zulässig, etwa “des Index” oder “Indexes”, wählen viele den Mittelweg: des Index’. Der häufigste Fehler ist aber sicher das Auseinanderschreiben von allem und jedem. Selbst wer weiß, dass die reine Getrenntschreibung nicht das Wahre ist, setzt oft nur einen Bindestrich, wobei “Heinrich Heine-Straße” mit “Heinrich-Heine Straße” konkurriert. Wie um den Mangel auszugleichen, koppeln manche dann Wortfolgen: das Weiter-so.

    Wie die Bindestriche scheinen sich die Genitive gegen ihre Verdrängung zu wehren. Wird in der “Ursache für das Unglück” einer gemieden, schleicht sich woanders entgegen “des” Sprachgebrauchs wieder einer ein.

    Pingpong-Spiel auch bei der Groß- und Kleinschreibung. 1999 beschlossen die Presse-Agenturen, “du”, dessen gelegentliche Großschreibung abgeschafft werden sollte, trotzig stets großzuschreiben. Die Folgen kannst “Du” bis heute sehen. Oder siezt man sich? Der tazshop wirbt für Scheren: “Da Sie sehr scharf sind …“

  • Thema von AndyOSW im Forum Deutsch in Medien und...

    Der Tagesspiegel: Günter Grass' Liebeserklärung an die deutsche Sprache

    „Grimms Wörter“ heißt das neue Werk von Günter Grass. Darin besichtigt und bearbeitet der Schriftsteller sein ureigenstes Material, die Sprache. Und er macht Lust auf Grimm.



    Es könnte sein, dass dies das letzte Buch von Günter Grass ist. Er selbst hält das für möglich, wie er auf Seite 266 schreibt. Wer 83 Jahre alt ist, muss realistischerweise mit dem Tod rechnen: „Da mir, umringt von mehr und mehr Ungewissheit, einzig der Tod gewiss ist, will ich ihn als ungeladenen, aber unumgänglichen Gast empfangen und allenfalls mit der Bitte belästigen: Mach es kurz und schmerzlos.“ Nicht nur an dieser Stelle, in der er von Jacob Grimms „Rede über das Alter“ erzählt, kommt Grass auf sich selbst zu sprechen. Schließlich liegen zwischen Grimm und Grass nur ein paar Buchstaben des Alphabets. Über „Wortbrücken“ ist er mit den Brüdern Grimm verbunden und nutzt jede Gelegenheit, um aus ihrem, dem 19., in seines, das 20. Jahrhundert hinüberzuwechseln.

    „Grimms Wörter“ ist also nicht unbedingt eine Biografie. Vielmehr handelt es sich tatsächlich um das, was der Untertitel verspricht: „Eine Liebeserklärung“. Ihr Gegenstand ist die deutsche Sprache. Die Lebensgeschichte von Jacob und Wilhelm Grimm gibt an dramatischem Stoff auch nicht viel her. Sie waren Bibliothekare, Gelehrte, Wörter- und Märchensammler, die sich vorzugsweise am eigenen Schreibtisch aufhielten.

    Das dramatische Potential ist also gering. Doch mit dem einen zentralen und folgenreichen Ereignis setzt Grass ein: der berühmten Erklärung der „Göttinger Sieben“, die 1837 dagegen protestierten, dass Ernst August, König von Hannover, die erst vier Jahre zuvor eingeführte Verfassung in einem Akt der Willkür außer Kraft setzte. Die Grimms unterschrieben, sie fühlten sich durch ihren Amtseid als Göttinger Professoren an diese relativ liberale Verfassung gebunden. Daraufhin verloren sie ihre Ämter, Jacob wurde des Landes verwiesen und begab sich ins hessische Exil. Doch erst aus dieser prekären Situation heraus, „frei“ im doppelten, Marx’schen Wortsinne, nahmen sie die Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“ auf.

    Von hier aus erzählt Grass vor allem die Geschichte des mit ihrem Leben und Arbeiten so eng verbundenen Wörterbuches. Damit begibt er sich in die Geschichte der deutschen Sprache und in die deutsche Geschichte überhaupt. Auf diesem weiten Feld geht er entspannt spazieren und sammelt Wörter und Ereignisse wie Blumen und Disteln am Wegesrand. Vom Verfassungsbruch des Königs kommt er auf den Habermas’schen Verfassungspatriotismus zu sprechen und natürlich auch auf sein Lieblingsthema, den Bruch der Verfassung nach 1989, als der Zusatz im Grundgesetz, mit der Vereinigung der beiden Deutschländer sei eine neue Verfassung fällig, gestrichen wurde. Er problematisiert aber auch die Eidestreue der Grimms, indem er die Brücke schlägt zum „blinden Gehorsam“ und zu dem Eid, den er als 17-Jähriger auf die Waffen-SS leistete. Und er rügt den Opportunismus der Göttinger Professorenschaft, die zu der Amtsenthebung der „Sieben“ so feige schwieg wie die deutsche Professorenschaft hundert Jahre später zur Machtübernahme der Nazis.

    Der Protest der Grimms ist für Grass aber vor allem ein Vorbild an Bürgersinn und Engagement, mit dem er sich als stets engagierter Bürger identifizieren kann – gerade weil es den Grimms dabei nicht um Ideologien oder um revolutionäres Gehabe ging. Er sympathisiert aber auch mit ihrer späteren Zurückgezogenheit, in der sie sich auf die Arbeit am Wörterbuch konzentrierten und alles Politische nur noch als störend erlebten. Nebenbei lässt Grass die Epoche der Grimms sichtbar werden. Mit wenigen Strichen porträtiert er den reaktionären König Friedrich Wilhelm III., der als überzeugter Zensor die 400-Jahr-Feier zur Erfindung des Buchdrucks verbieten wollte, oder seinen Nachfolger Friedrich Wilhelm IV., der die Hoffnungen, die anfangs auf ihm ruhten, nicht erfüllen konnte.

    Stets schreibt Grass so, als werde die Geschichte von ihm weniger nacherzählt als imaginiert. Er ist dabei, wenn die Grimms durch den Tiergarten spazieren, er belauscht ihre Gespräche, ja er setzt sich zu ihnen auf eine Bank gegenüber der Rousseau-Insel, wo einst schon sein „Fonty“ auf den Spuren Fontanes saß. Überhaupt nutzt er jede Gelegenheit, um das eigene Werk gebührend ins Licht zu rücken. Da verschieben sich manchmal die Gewichte, da bekommt der Paulskirchen-Abgeordnete Jacob Grimm dann weniger Raum als die Rede zur Verleihung des Friedenspreises, die Grass rund 150 Jahre später in der Paulskirche hielt und die er nicht müde wird zu zitieren.

    An diesen Stellen verliert der Erzählton seine Leichtigkeit und wird unangenehm rechthaberisch. Schade drum: Hätte Grass sich selbst zurückzunehmen gewusst, wäre aus „Grimms Wörter“ ein ganz und gar gelungenes Buch geworden. Das Hin- und Herspringen durch die Zeiten wäre ja anregend, wenn es nicht immer nur zur historischen Bedeutung von ihm himself, Günter Grass dem Ersten, führen würde. Das Übereinanderlegen der Epochen entspricht seinem zeitlichen Konzept der „Vergegenkunft“, wie er es in der „Rättin“ ausführte, und seiner Fähigkeit, über die Jahrhunderte hinweg mit den Kollegen anderer Zeiten ins Gespräch zu kommen – von Simon Dach im „Treffen in Telgte“ bis zu Fontane im „Weiten Feld“ und nun den Grimms.

    Auch mit ihnen spricht er, als wären sie gegenwärtig, und wenn Jacob Grimm in der Berliner Akademie seine Rede über das Alter hält, setzt Grass nicht nur sich selbst ins Publikum, sondern auch Hegel, Fichte, Herder und all die großen Toten, die doch in der Sprach- und Kulturgeschichte lebendig geblieben sind. Da möchte er auch seinen Platz einnehmen.

    Grass bewegt sich entlang des Alphabets durch die Geschichte, soweit es von den Grimms selbst bearbeitet wurde. Der zielstrebige Jacob übernahm die Buchstaben A bis C, der langsamere Wilhelm kam über das D nicht hinaus. Wilhelm, der weniger wissenschaftliche als poetische Kopf, war dafür die treibende Kraft bei der Herausgabe der Hausmärchen.

    Das lexikalische Prinzip des Erzählens kommt Grass entgegen. Was in vielen seiner Romane störend wirkt – wenn sie allzu sichtbar nach einem vorgefertigten Plan in der Wortmetz-Werkstatt zusammengeleimt wurden –, hat hier eine adäquate Form gefunden. Das lockere Springen von Wort zu Wort erlaubt es ihm, die Ebenen spielerisch zu wechseln. Hier besichtigt und bearbeitet ein Schriftsteller sein ureigenstes Material, die Sprache, und lässt uns daran teilhaben. „Grimms Wörter“ ist auch eine Leseanleitung zum Gebrauch des Grimm’schen Wörterbuches. Grass macht Lust auf Grimm.

    Das letzte Wort, das Jacob Grimm 1863, vier Jahre nach dem Tod des Bruders, bearbeitete, war „Frucht“. Darüber starb er. Mit einer Fußnote wurde er an dieser Stelle von seinen Mitarbeitern verabschiedet. Der Tod kommt in einem Lexikon ohne große Gesten aus. Doch knapp hundert Jahre dauerte es von da an noch, bis das Wörterbuch abgeschlossen wurde, 1960 in deutsch-deutscher Kooperation. Es umfasst also Kleinstaaterei, Reichsgründung, Kaiserreich, Weimarer Republik, „Drittes Reich“ und deutsche Teilung. Auch das wird resümierend nacherzählt. Geschichte verging nicht nur im Wörterbuch. Fertig ist das Wörterbuch also nicht, vollständig schon gar nicht, denn die Geschichte geht ja weiter, und Grass zählt Worte genug auf, die damals schon fehlten.

    Doch es bleibt eine Fundgrube der deutschen Sprache und bewährt sich als erzählbarer Stoff. Das vollbracht zu haben ist eine große Leistung. „Grimms Wörter“ gehört zu den wichtigsten Büchern Grass’ und ist – die Eitelkeitseinschübe beiseite gelassen – vielleicht sein schönstes. Ganz egal, ob es sein letztes ist oder nicht.

    Günter Grass: Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung. Steidl Verlag, Göttingen 2010. 368 Seiten, 29,80 €.

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